Wien: Beethoven und Bruckner aus Frankreich

23. November 2008, 19:01
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Das Orchestre National de France gastierte im Musikverein

Wien - Das Orchestre National de France hat mit seinem Gründungsjahr 1934 zwar nicht die gleich lange Tradition wie die Wiener Philharmoniker, aber innerhalb Frankreichs zumindest einen ähnlichen Rang. Dass es mit diesem Orchester seit 2001 steil bergauf geht, verdankt es seiner kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Kurt Mazur, der damals die Position des Musikdirektors übernahm, in der er im Vorjahr, 80-jährig, durch Daniele Gatti abgelöst, aber gleichzeitig zum "Directeur Musical Honoraire" dieses Ensembles auf Lebenszeit ernannt wurde.

Als solcher kehrte er nun an dessen Spitze mit Ludwig van Beethovens viertem Klavierkonzert und Anton Bruckners dritter Symphonie (in der Fassung von 1889) im Musikverein ein. Beide Interpretationen erreichten nicht den Grad an Intensität und im Falle Bruckners auch nicht die Präzision, die man von diesem Orchester mit Mazur an der Spitze gewohnt ist.

Louis Lortie, der 49-jährige Kanadier, der den Solopart des Beethoven-Konzertes spielte, scheint Kurt Mazurs Leibpianist zu sein, da er ihn in der Zusammenarbeit mit fast allen Orchestern, die er leitet, einsetzt. Mit guten Gründen. Denn Lortie verfügt über eine exzellente Technik. So konnten alle von Beethoven eifrig genutzten neuen Möglichkeiten des Hammerklaviers bestens präsentiert werden, doch die in diesem Werk vorherrschende rhapsodisch emotionale Dimension blieb meist nur angedeutet. Da sich das Orchester auf die Bereitstellung des Klangfundaments beschränkte, blieb diese Aufführung nichts weiter als korrekt.

Bruckners sogenannte "Wagnersymphonie" stand ebenfalls unter keinem guten Stern. Die einleitenden Intervallsprünge über dem Paukenwirbel wirkten inkohärent, ohne Drive oder die gehörigen Nachzeichnungen der ziemlich vertrackten formalen Architektur. Diese zu entwirren und schlüssig darzustellen ist Mazur nur ansatzweise gelungen. Das mag mit Grund dafür sein, dass der Beifall nicht so jubelnd ausfiel, wie es die französischen Gäste ansonsten in Wien gewohnt sind. (Peter Vujica / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2008)

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