Gesunkenes Schwesterschiff der "Titanic" als Ausflugsziel

24. November 2008, 12:11
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Griechenland möchte das Wrack, das seit 1916 in seinen Hoheitsgewässern am Meeresboden liegt, zum Mittelpunkt eines Unterwasserparks machen

London/Kea - Das Wrack eines Schwesterschiffs der "Titanic", der "Britannic", soll in naher Zukunft zum Mittelpunkt eines historischen Unterwasserparks umgewandelt werden. Anders als die "Titanic" liegt das Wrack des 269 Meter langen Schiffs vor der Küste der Kykladen-Insel Kea in nur 122 Metern Tiefe und ist zudem relativ gut erhalten. Nun gibt es Pläne, dieses Wrack in ein Museum umzuwandeln. Bereits im kommenden Sommer sollen Touristen mit Klein-U-Booten das Schiff besuchen können.

Am 21. November 1916 ist die als Kreuzfahrtschiff konzipierte "Britannic", die als Lazarettschiff unterwegs war, vor der griechischen Insel nach einer Explosion an Bord gesunken. Von den insgesamt 1.036 Ärzten, Krankenschwestern und Besatzungsmitgliedern sind nur 30 gestorben, der Rest hat das Unglück überlebt. 1975 hatte der französische Unterwasserforscher Jacques-Yves Cousteau das Wrack entdeckt, bis dahin hatte sich niemand für das Schiff interessiert. 1996 erwarb der britische Marine-Historiker Simon Mills das Wrack von der britischen Regierung. In Kooperation mit den griechischen Behörden soll das Schiff nun für jedermann zugänglich gemacht werden.

Ursache des Untergangs ungeklärt

Die "Britannic", die 1914 als drittes Schiff der "Olympic"-Klasse als Luxusliner konzipiert war, nahm ihren Dienst als Linienschiff aufgrund des Ausbruchs des 1. Weltkriegs niemals auf. Stattdessen wurde sie als Lazarettschiff zwischen dem Nahen Osten und dem britischen Mutterland eingesetzt. Auf ihrer sechsten Fahrt ist das Schiff unter nicht eindeutig geklärten Umständen - entweder durch eine Mine oder von einem Torpedo getroffen - gesunken. Einige Historiker gehen sogar davon aus, dass das Schiff deswegen angegriffen wurde, weil es Waffen an Bord hatte und als Lazarettschiff getarnt war.

Giorgos Euyenikos, Vize-Bürgermeister der kleinen Insel Kea, die bis dato in erster Linie als Wochenendziel wohlhabender Athener diente, ist von der Idee eines Archäologieparks begeistert. "Jeder Einwohner hier ist mit der Geschichte sehr vertraut, weil jede Familie von dem Schiffsunglück betroffen war." In schrecklicher Erinnerung ist der Teil des Schiffsuntergangs, bei dem ein Rettungsboot von den rotierenden Schiffsschrauben zermalmt wurde. Für Mills bedeutet das Unterwassermuseum aber auch die Wahrung der Integrität des Wracks - um jener zu gedenken, die bei der Katastrophe ihr Leben verloren haben. Mills hofft mit der Schaffung des Museums auch noch die letzten verbliebenen Zweifel hinsichtlich der Ursache des Untergangs zu lösen. (pte/red)

 

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    Was vom einstigen "olympischen" Stolz übrig blieb, soll in Zukunft mit Mini-U-Booten besichtigbar sein.

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