Regierungsprogramm im Detail

23. November 2008, 21:11
  • Das 267-seitige Regierungsprogramm inclusive Präambel zum Download.

  • Artikelbild

    Die Unterschriften von Werner Faymann und Josef Pröll auf dem Koalitionspakt.

Der STANDARD gibt einen Überblick über die Vorhaben, die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden sollen - mit Download

Formulierungskunst war gefragt in einem Regierungsprogramm, das einen „Selbstzerstörungsmechanismus" enthält: Überstimmt ein Koalitionspartner den anderen im Parlament, dann ist Schluss mit dem gemeinsamen Regieren.

  • EU-Kompromiss

Grundsätzlich treten SPÖ und ÖVP für europaweite Volksabstimmungen zu EU-Verträgen ein. Die Kompromissformel, um der Frage einer nationalen Volksabstimmungen über künftige EU-Verträge (wie sie die SPÖ will) zu entgehen, lautet: „Hinsichtlich nationaler Volksabstimmungen verpflichten sich beide Koalitionsparteien, einen auf die Durchführung einer Volksabstimmung gerichteten parlamentarischen Antrag bzw. ein solches Verlangen von Mitgliedern des Nationalrates oder Bundesrates (Art. 43 und 44 B-VG) nicht gegen den Willen der jeweils anderen Koalitionspartei zu stellen oder zu unterstützen." Sonst gibt es Neuwahlen.

  • Konjunkturpakete

Im Programm verankert wurde ein Maßnahmenpaket, um die Wirtschaft anzukurbeln: 2009 sollen 545 Millionen Euro fließen, 2010 noch einmal um zehn Millionen mehr - etwa in vorgezogene Bauprojekte, die thermische Sanierung von Gebäuden und Investitionsanreize für Unternehmen.

  • Steuerreform

2,2 Milliarden Euro werden Steuersenkungen ausgeben. Niedrigeinkommen bis zu einer Bemessungsgrundlage von 11.000 Euro jährlich werden steuerfrei gestellt (bisher 10.000 Euro). Der Eingangssteuersatz wird von 38,33 auf 36,5 Prozent gesenkt, der mittlere Steuersatz von 43,6 auf 43,2 Prozent. Der Spitzensteuersatz bleibt bei 50 Prozent, wird aber erst ab einer Bemessungsgrundlage von 60.000 Euro fällig (derzeit 51.000). Selbstständige erhalten zwar kein steuerbegünstigtes 13. und 14. Monatsgehalt, dafür aber höhere Freibeträge.

  • Staatsreform

Konkrete Einsparungsziele bei der Staats- und Verwaltungsreform werden im Regierungsprogramm nicht genannt, dafür soll eine Arbeitsgruppe Vorschläge erarbeiten. Einen neuerlichen Anlauf wird es bei der Lösung des Ortstafelkonfliktes in Kärnten geben.

  • Energie und Umwelt

Der Klimafonds soll mit 150 Millionen Euro jährlich dotiert werden. Die Wohnbauförderung wird an die Verwendung von innovativen Heizsystemen gekoppelt. Für die öffentlichen Verkehrsmittel soll es ein günstiges „Österreichticket" geben.

  • Forschung und Entwicklung

320 Millionen Euro zusätzlich werden allein 2009 und 2010 in Forschung und Entwicklung investiert. 2010 soll die Forschungsquote - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - bei drei Prozent liegen.

  • Sicherheit und Integration

Wer einwandern will, muss sich um eine „Rot-Weiß-Rot-Card" bemühen. Parameter sollen u. a. Deutschkenntnisse und das Einkommen sein. Ein Strafverfahren soll künftig parallel zu einem Asylverfahren abgewickelt werden können, um kriminelle Asylwerber schneller abschieben zu können. Geplant ist ein drittes Erstaufnahmezentrum. Bei der Polizei werden 1000 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen. Erlaubt wird die Onlinedurchsuchung.

  • Arbeitsmarkt

SPÖ und ÖVP sind sich einig, dass der Arbeitsmarkt für die Bürger der neuen EU-Länder nicht vor Ablauf der Übergangsfristen geöffnet werden soll. Nur für Fachkräfte wird es eine stufenweise Öffnung geben. Schwammig formuliert ist das Kapitel zur „Entlastung des Faktors Arbeit".

  • Familie

Das letzte Kindergartenjahr soll in ganz Österreich gratis und verpflichtend sein, allerdings nur vormittags. Budgetiert ist das mit 70 Millionen Euro pro Jahr. Kommen wird auch der „Papamonat". Wie lange die „Auszeit" dauern soll oder wie sie finanziert wird, ist nicht festgeschrieben. Vage bleibt das rot-schwarze Programm auch beim geplanten einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld.
500 Millionen sollen gezielt Familien zugute kommen. Die Kinderabsetzbeträge werden von 610 auf 700 Euro jährlich angehoben, dazu werden für jedes Kind 220 Euro pro Jahr steuerfrei gestellt („Kinderfreibetrag"). Kosten für Betreuung können künftig im Ausmaß von bis zu 2.300 Euro jährlich von der Steuer abgesetzt werden - bis zum 10. Lebensjahr des Kindes und ohne Einkommensgrenze.

  • Homo-Partnerschaft

Keine Klarheit gibt es zum Streitthema Homo-Partnerschaft. Es wird eine Arbeitsgruppe geben, „die die weitere Vorgangsweise im Detail festlegt".

  • Frauen

Verpflichtende Frauenquoten für Aufsichtsräte wird es ebensowenig geben wie eine explizite Kopplung der Wirtschaftsförderung an die Frauenförderung. Ein „nationaler Aktionsplan für Gleichstellung" wird erarbeitet.

  • Pensionen

Die Pensionsautomatik ist vom Tisch, dafür gibt es ein Bekenntnis zum „Pensionsmonitoring": Anpassungen des Antrittsalters, der Beitragshöhe oder der Pension passieren auf Basis eines Gutachtens einer neuen Pensionskommission. Stufenweise auslaufen soll die „Hacklerregelung" ab 2013.

  • Pflege

Geeinigt haben sich SPÖ und ÖVP darauf, einen Pflegefonds einzurichten. Mit welchen Mitteln er gespeist wird, ist offen. Dafür sind Evaluierungen geplant. Die Sozialpartner sollen Lösungsvorschläge erarbeiten, wie man Pflegenden einen Rechtsanspruch auf Teilzeit ermöglichen kann. Außerdem sollen sie die Möglichkeit einer Pflegekarenz bis zu sechs Monaten (mit Kündigungsschutz) überprüfen. Ein „Pflegekonjunkturpaket" zur Förderung von 2000 zusätzlichen Pflege- und Betreuungskräften bis 2010 ist ebenfalls geplant.

  • Armutsbekämpfung

Beim Thema Mindestsicherung heißt es, die Regierung werde „auf Basis der vorliegenden Arbeiten über die bedarfsorientierte Mindestsicherung deren Umsetzung zügig vorantreiben". Geprüft werden weitere Fahrpreisermäßigungen für öffentliche Verkehrsmittel.

 

  • Schule

Die Direktoren sollen zukünftig bei der Personalauswahl mitwirken. Die Bezirksschulräte sollen aufgelöst werden. Geplant ist eine Neuorganisation der Lehramtsstudien mit engerer Kooperation zwischen Unis und Pädagogischen Hochschulen. Die Modellversuche zur „Neuen Mittelschule" soll es in allen Bundesländern geben.

  • Universitäten

Alle Studienanfänger müssen künftig eine „flexible Studieneingangs- und Orientierungsphase" absolvieren, bei Master-Studien sollen die Unis Zugangsbeschränkungen einführen können. Die Ausweitung der Studienplätze in Medizin soll weit geringer ausfallen als wenige Tage vor den Wahlen im Nationalrat beschlossen. Konkrete Budgetzahlen gibt es in dem Papier nicht. Die Ausgaben für den tertiären Sektor sollen auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes angehoben werden.

  • Gesundheit

Die defizitären Kassen sollen entschuldet werden - wie, das bleiben SPÖ und ÖVP schuldig. Grundsätzlich bekennen sie sich zu einer solidarischen Finanzierung, zur Selbstverwaltung der Sozialversicherungen, und sind gegen die „Zwei-Klassen-Medizin". Ein weiteres Ziel ist die „gemeinsame strategische Ausrichtung (...) und Steuerung im Gesundheitswesen".

 (DER STANDARD-Printausgabe, 23.11.2008)

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»Posting 1 bis 25 von 215
1 2 3 4 5
Tompkins, Mr. Tompkins   
02.12.2008 22:30
Downloads von Textdokumenten ...

... im Microsoft Word Format anzubieten, gehört mit mindestens 3 Jahren Zuchthaus bestraft. Bei Textkonsole und vim.

Queen of Sheba 
26.11.2008 16:48
Vorwärts, MitgliederInnen der Regierung !

gorg23
26.11.2008 17:22
vorwärts

mit-glieder-Innen :)

fetznpupperl  
26.11.2008 14:38
ab sofort werden wetten angenommen, wann die nächste wahl stattfindet!

denn allein schon punkt 1, "eu-kompromiss", wird uns diese bald bescheren.

und was sollen diese arbeitsgruppen, die überall wie schwammerln aus dem boden gestampft werden sollen... wenn einer nicht mehr weiter weiß, dann gründet er 'nen arbeitskreis?

homo-partnerschaft: die "weitere vorgehensweise" wird genau so ausschauen, dass weder schwarz noch rot ein ohrwaschel rühren werden und hoffen, dass bald ein mittel gegen homosexualität erfunden wird, weil das ist ja eh pfui und darf eh net sein.

aber wenigstens können die von armut betroffenen menschen bald supergünstig öffi-fahren, da werden sie aber sich freuen! wenn schon nix zum essen da ist, gemma mit den kindern bim-fahren...

das ist kein regierungsprogramm, das ist vera*sche pur!

Ava Tar
26.11.2008 12:14
von gestern 21:12 bis heute 12:12 EIN Posting durchgelassen

Da schaut der Mielke aber baff.

Ava Tar
26.11.2008 11:50
Ist eh gar nicht so schlecht !

Das Regierungsprogramm ist bis auf ein paar Ausnahmen sehr hübsch. Wenn's jetzt einmal 5 jahre lang hackeln und das alles umsetzen, ist alles fein

Ein paar grausliche Sachen gibt's ..
- "Die Weiterentwicklung des Dienstrechts [der ÖBB] unter Einbindung der Sozialpartner soll es einerseits dem Konzern erleichtern, eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Personalpolitik umzusetzen" => das Dienstrecht wird aufgeweicht, die Leute gekickt;
- die Onlinedurchsuchung: nix steht ob auf richterlichen Entscheid oder jeder Dorfpolizist;
- Neuerungsverbot für Asylanträge: gegen Bescheide wie "man kann ja im Slum untertauchen, in der Sexbranche dienstleisten, und das Baby derweil wildfremden anvertrauen" wird man nix mehr machen können

sonst ganz ok...

Dipl. Wirtschafts- und Hühnerb(e)rater
26.11.2008 08:57
Man könnte es auch in 4 Worten zusammenfassen:


Noch mehr Kommerz, Perspektivenlosigkeit, Burnout und Bürgerüberwachung.

---
Jedenfalls werden die Schienen weitere 5 Jahre in Richtung Abgrund gelegt.

VeeDub
24.11.2008 21:12
steuerreform = tariffreform

es verändern sich ja bloß ein paar kleinigkeiten, von "reform" kann man hier wohl nicht sprechen.
aber ja, man muß sich ja auch schon mit kleinigkeiten zufrieden geben.
spaß am rande ist, daß die gebühren jährlich valorisiert werden sollen, die grenze für den 50% steuersatz natürlich nicht - sonst wäre er ja bereits bei ca 75k, anstatt den nun verkündeten 60.

Marilynn E. Infos zum Powerposten
24.11.2008 20:51

wo findet sich im Regierungsprogramm der Untersuchungsausschuß als Minderheitenrecht?

Nachdem sich die Parteien nicht überstimmen dürfen, dürfte das wieder mal nicht kommen. Toll gemacht.

Marilynn E. Infos zum Powerposten
24.11.2008 20:48
wo bleibt das Geld für die Unis?

die SPÖ schafft in einem populistischen Akt die Studiengebühren ab, ohne sicherzustellen, daß sie das Geld wieder kriegen muß. Die Unis sind finanziell komplett ausgehungert. Das mindeste wäre es gewesen, wenn die SPÖ sich mit Vehemenz für eine bessere finanzielle Ausstattung der Unis eingesetzt hätte.

Aber da sieht man, wieviel der SPÖ die Unis und die Studenten wirklich wert sind, die mit mangelndem Personal in der Massenuni keine qualitätsvolle Studienbetreuung bekommen können. Hauptsache man konnte sich mit der Abschaffung rühmen - wenn die Unis finanziell vor die Hunde gehen - das liegt nicht in den ersten 25 Prioritäten der SPÖ.

haudi
25.11.2008 14:29
Geld für Unis

Gibts keines, weils keine Hackler sind!

Dormouse 
26.11.2008 15:20

lol die, die sich in diesem land "hackler" nennen tun am wenigsten


mfg

haudi
26.11.2008 18:21
insider schmäh

bitte schaun's Ihnen die Postings von MaryE im Beitrag "Hacklerregelung" an.

Grunzbert
24.11.2008 19:18
Volksabstimmungen

Wen interessiert schon was das eigene Fussvolk will.
Das Wahlvieh soll brav machen was ihm gesagt wird & hat gefaelligst nichts abzustimmen. Wo kaemen wir denn da hin wenn sich solche Unsitten wie Basisdemokratie ausbreiten wuerden.

Amuesant sind in diesem Zusammenhang freilich solche Marketing-Buzzwords wie "Volkspartei", womit vorgegaukelt wird dass gemaess dem Willen des Volkes gehandelt wird.

Peter Ebner1
24.11.2008 18:02
Oesterreich

Die Regeirung und Politik ist meistens ein Abbild der jeweiligen Bevoelkerung.Kleinkraemerei und Provinzlertum der Regierten schlagen halt auch in der Regierung der Maechtigsten durch.Oesterreich ist seit jeher ein Volk der Quenkerer und Staenkerer, also warum soll das dann in der Regeirung anders sein. Sorry.. so ist das nunmal. Auch wenn ich jetzt mal eine Mindermeinung vertrete.Jedes Land verdient, bis auf Ausnahme von Diktaturen, seine Regenten.Daher haben wir im Grunde genommen Kreisky,Vranitzky,Schuessel,Gusenbauer und jetzt Faymann samt deren Minister verdient.

Dormouse 
26.11.2008 15:24

danke! es ist schon ein grosser erfolg wenn man einzelen normale menschen hört


mfg

bellyharry
24.11.2008 17:48
Das ist der Regierungsplan im Detail

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http://wien-donaufeld.unserdaheim.at/video/181... _sub=polip

donhugo  
24.11.2008 17:21
diesen koalition wird Österreich zum bankrott führen

Die ÖVP will schlanken Verwaltung und effizientes Marktwirtschaft haben aber bitte nicht bei meinen Klienten, die SPÖ will weiter machen wo die letzten 30jahren aufgehört haben schulden machen bis die Kreditkarten streikten, dringend benötigen Konzepten oder Reformen sind Fehlanzeige solange keine isländische oder ungarische Verhältnisse herrschen, auf gut deutsch hinter uns Sintflut.

Gianni Tremato
24.11.2008 16:47
Spitze! Schon auf Seite 2 mit "EinkommenssteuerzahlerInnen" zwei Rechtschreibfehler

in einem Wort.
Tolles Programm.

Realist72
24.11.2008 16:42
Die kommende Massenarbeitslosigkeit

wird dieses - nette - Konzept nicht einmal ignorieren !

Das ist Hund Putzi, das ist Katze Mietzi
24.11.2008 16:18
trotzdem würde ich mich freuen, wenn...

...all diese längst überfälligen kleinigkeiten wirklich umgesetzt würden.

die skepsis ist allgegenwärtig

W.Hammerl
24.11.2008 17:07

Natürlich! Wünschen kann man sich vieles. Aber wer wird das alles bezahlen?

EquinoxOmega
24.11.2008 16:12

Die ÖVP hat zwar die Wahl am deutlichsten verloren, aber die Koalitionsverhandlung klar gewonnen.

Marinos Yannikos
24.11.2008 17:19
aber geh!

die Macht hat doch derjenige, der am häufigsten von der Presse abgelichtet wird, oder nicht?

Der Geist der stets verneint 
24.11.2008 16:09
"onlinedurchsuchungen sollen erlaubt werden"

ein kleiner Nebensatz irgendwo, der es heftig in sich hat!

Wozu gab es eigentlich Neuwahlen? Nur damit diesselben Parteien wieder regieren ?

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