Heuer bereits 4300 Tote bei Drogenkrieg

23. November 2008, 18:44
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Korrupte Polizisten, Todeslisten und brutale Bandenkriege: Die Lage rund um das milliardenschwere Drogengeschäft eskaliert immer mehr - Zehntausende Sicherheitskräfte bleiben fast wirkungslos

Mexiko-Stadt - Mexikos Polizei könnte bald ohne Führung dastehen. Denn fast täglich werden mittlerweile Spitzenbeamte wegen Verbindung zu den mörderischen Drogenkartellen festgenommen. Allein vergangene Woche brachte das drei Prominente ins Gefängnis.

Zunächst war es der Chef von Interpol-Mexiko, Ricardo Gutierrez Vargas, der von ehemaligen Kollegen abgeführt worden ist. Einige Tage später traf es einen Vertrauten von ihm, ebenfalls ein ranghoher Drogenfahnder. Und am Freitag war es schließlich Noe Ramirez, der ehemalige Leiter der Spezialeinheit gegen organisiertes Verbrechen. Ramirez war im Sommer von diesem Posten überraschend zurückgetreten. Nun wird klar, warum: Er soll umgerechnet 357.000 Euro von der einflussreichsten Drogenorganisation kassiert haben und im Gegenzug Informationen über Polizeiaktionen geboten haben, behauptet der Staatsanwalt.

Das Geld, mit dem von Polizeichefs bis zum einfachen Polizisten die Beamten korrumpiert werden, stammt vom Sinaloa-Kartell, benannt nach dem Bundesstaat an der Westküste Mexikos. Die Organisation kontrolliert einen wesentlichen Teils des Drogenhandels mit den USA - vom Marihuana bis zu Crack reicht das Angebot. Die Bestechung der unteren Ränge fällt nicht sonderlich schwer, berichtet das Time Magazine. Denn viele von ihnen verdienen gerade umgerechnet 4000 Euro. Pro Jahr.

318 Millionen für Einsätze

Und das, obwohl Mexikos konservativer Präsident Felipe Calderón bei seinem Amtsantritt im Dezember 2006 die Gehälter bereits angehoben hatte. Ein Schritt in seinem Kampf gegen die Drogenbarone, den er mit finanzieller und logistischer Unterstützung der USA führt. Umgerechnet 318 Millionen Euro stellt der große Nachbar im Norden im kommenden Jahr für die Einsätze bereit.

Aktionen, die die Rauschgifthändler mit unglaublicher Brutalität beantworten. 4300 Morde mit Drogen-Hintergrund soll es in Mexiko heuer schon gegeben haben. Vor allem die Grenzstädte Ciudad Juárez und Tijuana sind betroffen. Die Gründe für die Verbrechen sind unterschiedlich: Bandenkriege, Attentate auf die Sicherheitskräfte, Anschläge auf Journalisten und Politiker, die auf Todeslisten stehen, oder schlichter Terror gegen die Bevölkerung.

Nach Darstellung der Exekutive gelangen in den vergangenen Wochen nicht nur Erfolge gegen eigene, korrupte Kollegen, sondern auch gegen die Drogenbosse selbst. Ende Oktober wurde Jesús Zambada García in Mexiko-Stadt festgenommen, einer der Köpfe des Sinaloa-Kartells. Anfang November konnten die Sicherheitskräfte, die aus 25.000 bis 35.000 Angehörigen von Polizei und Armee bestehen, auch den Kontrahenten des Sinaloas einen schweren Schlag versetzen. Jaime González, der Kommandeur der rivalisierenden Zetas-Miliz, wurde an der Grenze zu den USA erwischt. (Reuters, dpa, moe/DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2008)

 

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