Frankreichs Sozialisten: Bitteres Duell der Frauen

23. November 2008, 18:34
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Die Parti Socialiste steht mehr denn je vor einer Zerreißprobe - von Stefan Brändle

Die parteiinterne Wahl bei Frankreichs Sozialisten wird zweifellos einen längeren Epilog haben. Der Parti Socialiste (PS) steht mehr denn je vor einer Zerreißprobe. Ségolène Royal, die schon von ihrem Naturell her gern die Opferrolle spielt, wird sicher nicht klein beigeben. Allerdings hat sie kaum eine Handhabe, wenn die Parteispitze am hauchdünnen Wahlergebnis und an Martine Aubry festhält. Die Partei zu verlassen wird ihr nichts nützen: Gründet sie eine eigene Formation, hätte diese so wenig politisches Profil wie ihre Chefin selbst und würde zwischen den Fronten aufgerieben.

Eine Allianz mit der Zentrumspartei Modem von François Bayrou wiederum - was Royal dem PS seit langem nahelegt - steht schon wegen der ausgeprägten Egos außer Frage: Weder Bayrou noch Royal würden sich mit der Rolle einer Nummer zwei abfinden. Der aufreibende Machtkampf innerhalb der Sozialisten wird also weitergehen. Auf dem linken Parteiflügel kommt es schon zu Absetzbewegungen: Der prominente Senator Jean-Luc Mélenchon hat die Partei verlassen und gründet in Anlehnung an die deutsche „Linke" von Oskar Lafontaine einen „parti de gauche".

Die wahren Sieger des Frauenduells sind wohl zwei Männer. Der Sozialist Dominique Strauss-Kahn hielt sich aus der internen Chefwahl zurück und wartet als derzeitiger Direktor des Internationalen Währungsfonds auf seine Stunde. Er kann sich im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl 2012 als großer Einiger der Partei anbieten. Der andere Nutznießer ist Staatschef Nicolas Sarkozy. Ein Abgeordneter seiner Regierungspartei UMP meinte am Wochenende: „Das Hickhack im PS ist eine sehr gute Sache für uns." (Stefan Brändle, DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2008)

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