Edelschoko gegen die Trübsal

23. November 2008, 18:19
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Bitterschokolade als Antidepressivum hebt die Umsätze bei Venchi

Turin - "Die Finanzkrise kommt uns zugute." Der italienische Edel-Chocolatier Venchi berichtet über einen unerwarteten Nachfrageboom. Er könne mit seiner Produktion dem Bedarf kaum mehr gerecht werden, bestätigte Marketing-Direktor Giovanni Mantelli dem Standard. Der unerwartete Nachfrageboom sei damit zu erklären, dass Schokolade - besonders die bittere - für ihre antidepressive Wirkung bekannt ist.

"Ein kulinarischer Energieschub für den Kopf", bezeichnete Mantelli die Charakteristika seiner Edelprodukte. Es sei nicht das erste Mal, dass die Schoko-Unternehmer von einer wirtschaftlichen Krise profitieren. Auch nach dem Terroranschlag am 11. September 2001 haben sich viele mit Pralinen getröstet.

Ferrari der Schokos

Giovanni Mantelli, Marketing-Direktor und Miteigentümer des Schokoladenunternehmens Venchi aus Cuneo hat keine Zweifel. Die Kult-Firma, auch als Ferrari unter den Schokolade-Herstellern bezeichnet, zählt zu den Gewinnern der derzeitigen Krise. "Wir planten heuer unseren Umsatz um acht Prozent zu erhöhen, nun sind wir bereits bei 23 Prozent angelangt." Das im Jahr 1878 gegründete Süßwarenunternehmen Venchi wird 2008 rund 25 Millionen Euro mit Schokolade, Pralinen und Speiseeis umsetzen.

Der 40-jährige Manager hat sich die Vermarktung von exzellenten Schokoladeprodukten zur Lebensaufgabe gestellt. Dabei handelt es sich keineswegs um gewöhnliche Milchschokolade. Diese ist verpönt. Bei Venchi wird Edelschokolade hergestellt, die dann nur in den feinsten Nobelläden vertrieben wird.

Testmarkt Österreich

Julius Meinl zählte einst zum Aushängeschild der ausländischen Kunden. Nun begnügt sich Venchi in Wien damit, Meinl am Graben und einige hochkarätige Schoko-Boutiquen zu beliefern. "Auch wenn in Österreich der Geschmack durch die Marzipan-Fülle bei Mozartkugeln wesentlich von unseren Bitter-Produkten abweicht, so ist das Land für uns infolge der hier ausgeprägten Schokolade-Kultur als Testmarkt äußerst wichtig", erklärte Mantelli.

Dass das Schokoladegeschäft äußerst rentabel ist, beweisen die Zahlen. Die Ebitda-Marge (Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) macht 15 Prozent des Umsatzes aus. Vorerst erzielt Venchi erst zehn Prozent seines Umsatzes aus dem Export. "Wir sind aber in 90 verschiedenen Ländern vertreten. In manchen Ländern, wie etwa in Korea oder Ungarn, haben wir eine eigene Schokolade-Boutique aufgemacht."

Wichtig sei, dass die Venchi-Pralinen (45 verschiedene Sorten) und die Bitterschokolade stilgerecht vertrieben werden. Dafür sorgen die zwölf Venchi-Monomarken-Geschäfte in Italien. Neuestens wird zu den Schokoladeprodukten auch Qualitäts-Schleckeis angeboten.

Schokovation

Größter Wert wird bei dem Schokoladehersteller auch auf ständige Innovation bei den Produkten gelegt. Die Peperoncino-Schoko, mit Chilli-Pepper gewürzte Schokolade, flankiert inzwischen die besten Rotweine. Und die neue Chocaviar avanciert zur beliebten Zutat für Tagliatelle oder Roastbeef.

Ein Schokolademenü, von Gorgonzola als originelle Vorspeise mit Chocaviar kombiniert, bis zur Sachertorte "Made in Italy" mit Gianduia-Creme gefüllt, wird von Venchi im firmeneigenen Restaurant "Cuba Relais Chocolat" in Cuneo angeboten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Turin, DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2008)

  • Vertreibt den Börsenblues: Venchis Edelschoko erzielt Rekordverkäufe.
    foto: venchi

    Vertreibt den Börsenblues: Venchis Edelschoko erzielt Rekordverkäufe.

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