Wer über Lat-Abwertung spricht, dem droht die Festnahme

23. November 2008, 18:05
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Ermittlungen gegen Universitätsdozenten und Pop-Musiker

Riga - Die Finanzkrise hält in Lettland nicht nur Politiker und Ökonomen in Atem, sondern auch die Sicherheitspolizei. Seit in der Baltenrepublik die Gerüchte über eine mögliche Abwertung des Lats nicht verstummen, geht die Sicherheitspolizei konsequent gegen jeden vor, der öffentlich eine Abwertung der Landeswährung anspricht oder gar dazu auffordert, Spareinlagen abzuheben. So wurde ein Dozent der Universität Ventspils Mitte November zwei Tage lang wegen des Vorwurfs festgehalten, er habe mit seinen Aussagen das lettische Finanzsystem destabilisiert.

Der Experte für Bankwesen und Finanzsystem hatte in einer Diskussionsrunde über die lettische Wirtschaft und die Zukunft des Bank- und Kreditsystems in Lettland geraten, Lats in Dollar umzutauschen und kein Geld auf Bankkonten zu lassen, da der Einlagenschutzfonds nicht ausreiche, um alle Einlagen zu ersetzen, falls Banken Konkurs machen sollten. Der Rektor der Universität zeigte sich von der Festnahme seines Mitarbeiters sehr überrascht. "Auf welcher Basis sollen wir unterrichten? Doch nicht mit Beispielen aus der Schweiz oder den USA, für uns ist die Situation in Lettland interessanter."

Ermittlungen gegen Popmusiker

Außerdem ermittelt die Sicherheitspolizei gegen einen Popmusiker, der während eines Konzerts die Fans aufgefordert haben soll, ihr Geld von der kürzlich verstaatlichten Parex-Bank und der Sparkasse Latvijas Krajbanka abzuheben.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es Gerüchte über eine Abwertung des Lats gegeben. Daraufhin hatten viele Letten in Wechselstuben ihr Bargeld umgetauscht. (APA)

 

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