Hoffer und entscheidende Viertel­stunde

28. November 2008, 13:08
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Sturm sah gegen Rapid schon wie der sichere Sieger aus. Aber Rapid ist eben Rapid, und so wurde Hoffer in die berühmte Viertelstunde geklatscht, um den Ausgleich zu erzielen

Graz - Auf der ganz alten Hütteldorfer Pfarrwiese gab es einst von Tor zu Tor einen Höhenunterschied von immerhin einem Meter. Rapid hat also eine gewisse Tradition im Bergauf-Spielen. Und so hätten die Wiener die Sache eigentlich auch anders managen können.

Die Sache war nämlich die: In der 9. Minute rutschte Rapids Hannes Eder völlig unkontrolliert auf Marco Stankovic zu, der fiel übers gestreckte Bein. Samir Muratovic ließ sich natürlich nicht zweimal bitten und Rapidgoalie Andreas Lukse keine Chance - 1:0.

Rapid hat sich also das Spielfeld des Grazer Stadions selbst schief gemacht. Dass die Neigung nicht noch steiler wurde, verdankten die Wiener hauptsächlich der Schusseligkeit von Mario Haas, der zweimal (13., 32.) ganz allein vorm Rapid-Tor auftauchte und seinen Meister in Lukse fand.

Die Partie war überhaupt von einem durchaus offensiven Geist geprägt, der sich auch davon nährte, dass sich die Mittelfelder beinahe handballmäßig verhielten, sich also zuweilen die Rutsche zur Verdünnisierung legten, was durchaus zur vordergründigen Ansehnlichkeit des Spiels beitrug. Allerdings auch dazu, dass Rapid-Coach Peter Pacult ab und zu die Augen schloss und versuchte, sich in seiner Daunenjacke zu verkriechen.

Nutzte nichts. Auch er musste zu Beginn der zweiten Hälfte wieder heraus. Stand hin und wieder sogar an der Grenze der Coachingzone. Musste von dort die 63. Minute erleiden: Haas tritt an, spielt flach auf den rechten Flügel, von wo aus Andreas Hölzl in den Strafraum tanzt, zwei grünweiße Verteidige ausdribbelt und mit links halbhoch ins kurze Eck finalisiert - ein 2:0 fürs Lehr-, nein fürs Stammbuch heimischer Kicker.

Kaum aber war die Rapidviertelstunde eingeklatscht, kam wieder grüne Hoffnung auf. Der eingewechselte Ketelaer flankt wunderbar, das bekannte Kopfballungeheuer namens Hoffer schraubt sich zwischen zwei Verteidigern, na ja: hoch - 2:1.

Und siehe: Wenn die Hoffnung grünt, lässt sie Rapid nur selten im Stich. Die 87. Minute sah Erwin Hoffer wieder im Grazer Strafraum. Boskovic köpfelt eine weite Flanke von rechts zur Mitte, dort wartet der kleine Mittelstürmer.

So etwas verleiht natürlich Schwung. Die vier Minuten Nachspielzeit gehörten ganz eindeutig den Wienern. Die Grazer, die das Spiel so lange dominiert hatten, retteten mit Ach und Krach noch den einen Punkt.

Die Grazer Zuschauer mögen's bedauert haben. Aber immerhin: Sie sahen ein schönes Spiel. Und was will man mehr? (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 24. November 2008, wei)

SK Sturm Graz - SK Rapid Wien 2:2 (1:0). UPC-Arena Graz, 15.327 (ausverkauft), SR Schörgenhofer.

Torfolge: 1:0 ( 9.) Muratovic (Elfer)
2:0 (63.) Hölzl
2:1 (76.) Hoffer
2:2 (87.) Hoffer

Sturm: Gratzei - Schaschiaschwili, Feldhofer, Sonnleitner, Kandelaki - Hölzl, Kienzl, Hlinka, Stankovic (46. Scherrer) - Muratovic (88. Sereinig), Haas

Rapid: Lukse - Dober, Tokic, Eder, Katzer (29. Kulovits) - Hofmann, Heikkinen, Boskovic, Drazan (57. Hoffer) - Maierhofer, Jelavic (66. Ketelaer)

Gelbe Karten: Haas, Stankovic bzw. Dober, Heikkinen

 

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    Mit dem 2:0 nach traumhaftem Hölzl (Sturm/re)-Solo schien die Partie gelaufen, ...

  • Doch dann kam die Rapid-Viertelstunde, in der Hoffer (re) gleich zweimal zuschlug...
    foto: plankenauer

    Doch dann kam die Rapid-Viertelstunde, in der Hoffer (re) gleich zweimal zuschlug...

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