Exil-Tibeter für härtere Gangart

22. November 2008, 16:48
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Jüngere Generation begehrt gegen moderaten Kurs des Dalai Lama auf und wollen bei Scheitern des "mittleren Wegs" auch andere Optionen überlegen

Dharamsala - Mit dem mehrheitlich bekundeten Bekenntnis zu einer härteren Gangart gegenüber Peking sind am Samstag sechstägige Beratungen von mehr als 660 Exil-Tibetern am Sitz der Regierung des Dalai Lama in Dharamsala in Nordindien beendet worden. Bei einem offenkundigen Scheitern des vom Exil-Oberhaupt vorgezeichneten "mittleren Weges" werde man letztlich nicht umhinkönnen, "andere Optionen, auch die Unabhängigkeit" Tibets von China zu erwägen, erklärte Karma Choephel, der Vorsitzende des tibetischen Exil-Parlaments. Der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, der das Treffen einberufen hatte, soll die Medien am Sonntag über das Ergebnis informieren.

"Geheimplan" für die Eigenstaatlichkeit

Anfang November war die letzte Gesprächsrunde zwischen Bevollmächtigten des Dalai Lama und der chinesischen Regierung ergebnislos abgebrochen worden. Peking warf dem Exil-Oberhaupt vor, nach wie vor einen "Geheimplan" für die Eigenstaatlichkeit Tibets zu verfolgen. Die chinesische Führung hatte den Gesprächen im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking unter internationalem Druck zugestimmt. Zuvor hatte Peking den Dalai Lama beschuldigt, die schweren Unruhen in Tibet vom vergangenen März angezettelt zu haben. Das 73-jährige Friedensnobelpreisträger hatte zugegeben, dass seine Politik eines "Wegs der Mitte" mit dem Ziel einer effektiven Autonomie Tibets im chinesischen Staatsverband gescheitert sei.

Bei dem Treffen in Dharamsala wurde die Frage, ob es einen Wechsel der Politik mit einer Forderung nach staatlicher Unabhängigkeit geben solle, sehr kontrovers diskutiert. Vor allem die jüngere Generation ist dafür. Andere sprachen sich gegen aus, weil dies zu einem Verlust der internationalen Unterstützung führen könne. Youdon Aukatsang, ein Mitglied des Exil-Parlaments, sagte, die meisten Delegierten seien für eine härtere Haltung samt Fristen bei einer Fortsetzung der Gespräche mit Peking. (APA/dpa/AFP)

 

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