Auf Herz und Nieren geprüft

22. November 2008, 15:32
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Unter den fünf besten Maklerbüros Wiens war 2008 auch Helga Brun mit ihrem Unternehmen Krefina - Ein STANDARD-Interview

Was einen guten Makler ausmacht, erklärt sie im Gespräch mit Heimo Rollett.

STANDARD: Es gibt mittlerweile eine Inflation von Preisen und Auszeichnungen. Was ist das Besondere am Immy-Award?

Brun: Es ist nicht leicht, den Preis zu gewinnen. Das ganze Unternehmen wird auf Herz und Nieren geprüft, ohne dass man es wirklich mitbekommt. Im April haben wir uns zur Teilnahme angemeldet, und diese Woche haben wir den Preis erhalten. Dazwischen sind irgendwann mehrere Mystery-Shopper bei uns aufgetaucht. In all den Monaten hat man keine Chance, die Testkäufer zu bemerken.

STANDARD: Welche Kriterien werden beurteilt?

Brun: Zum Beispiel Kundenorientierung, Reaktionsgeschwindigkeit auf Anfragen, Freundlichkeit, Termintreue, Ablauf eines Besichtigungstermins und vieles mehr. Zusätzlich muss man einen Fragebogen ausfüllen, in dem man über sein Unternehmen allerhand preisgibt. Das geht ziemlich ins Detail.

STANDARD: Sie haben schon letztes Jahr mitgemacht, aber nicht gewonnen. Was hat sich seit damals verändert?

Brun: Wir haben ein sehr gewinnbringendes Beratungsgespräch gehabt und haben in diesem Zuge viel dazugelernt. Mit den einzelnen Kundenbetreuern haben wir gezielte Trainings durchgeführt, in denen wir sie auf ihre Stärken und Schwächen untersucht haben. Wenn man wachsen will, muss man wissen, wo Verbesserungsbedarf besteht.

STANDARD: Trotz Immy und trotz jüngster VKI-Studie ist das Image der Makler aber immer noch angeschlagen. Warum?

Brun: Ich denke, das liegt an den Glücksrittern, die ohne Ausbildung von Tür zu Tür laufen. Sie können die Leistung, die sie bringen sollten, gar nicht bieten, weil ihnen die Erfahrung fehlt. Dagegen können wir nur ankämpfen, wenn wir als Branche insgesamt eine bessere Qualität bieten.

STANDARD: Woran erkennt man einen guten Makler?

Brun: Am besten Sie fragen ihn, ob er Mitglied beim Österreichischen Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI) ist. Alle Mitglieder des ÖVI verpflichten sich nämlich unter anderem zur intensiven Aus- und Weiterbildung. Im europäischen Vergleich sind wir in der Ausbildung übrigens Vorreiter. Ein weiteres Indiz: Ohne Gewerbeprüfung oder fachspezifische Ausbildung an der Hochschule darf man das Gewerbe des Maklers gar nicht ausüben. Wer ein eigenes Büro führt, der braucht also in aller Regel eine Gewerbeprüfung.

STANDARD: Derzeit hört man oft den Satz "Grundbuch statt Sparbuch" – ist das nicht einfach nur ein Werbespruch der Makler?

Brun: Die Grundprinzipien haben sich nicht geändert. Grund und Boden bzw. Immobilienbesitz sind recht sichere und beständige Anlageformen – gerade auch was die Inflation betrifft, weil Mieten ja an den Verbraucherpreisindex angepasst werden. Aber Vorsicht! Es sollte auf jeden Fall entsprechendes Eigenkapital aufgebracht werden können, sonst ist dies die falsche Anlageform. Auch die Möglichkeit des Mietausfalls darf nicht unterschätzt werden. In einer Krise steigt dieses Risiko. Schließlich sollte man nicht außer Acht lassen, dass man auf lange Sicht die Wohnung auch mal renovieren muss. Auch das kostet Geld. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.11.2008)

  • Helga Brun: "Viele Makler können die nötige Leistung nicht bieten, weil
ihnen die Erfahrung fehlt. Dagegen können wir nur ankämpfen, wenn wir
als Branche insgesamt bessere Qualität bieten."
    foto: krefina

    Helga Brun: "Viele Makler können die nötige Leistung nicht bieten, weil ihnen die Erfahrung fehlt. Dagegen können wir nur ankämpfen, wenn wir als Branche insgesamt bessere Qualität bieten."

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