Tschechische Roma drohen mit Massen-Exodus ins Ausland

22. November 2008, 13:54
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In offenem Brief an Premier Topolanek Regierung soll Aktivitäten der Rechtsextremisten stoppen

Prag - Die tschechischen Roma drohen mit einem "Massen-Exodus" ins Ausland, falls die Regierung die Aktivitäten der rechtsextremistischen Parteien und Organisationen nicht stoppt. Diese Forderung formulierte die Vereinigung der Roma Nordmährens in einem offenen Brief an Premier Mirek Topolanek, Innenminister Ivan Langer, die Ministerin für Minderheiten, Dzamila Stehlikova, sowie an den Chef der sozialdemokratischen Opposition, Jiri Paroubek.

Die Roma reagierten damit auf die Demonstration von Rechtsextremisten und nachfolgende Ausschreitungen und schwere Zusammenstöße mit der Polizei im nordböhmischen Litvinov (Leutensdorf) vom vergangenen Montag. "Falls die tschechische Regierung das Problem (der rechtsextremistischen Organisationen) nicht oder nur lax löst, könnte eine Massen-Emigration der Roma ins Ausland folgen", heißt es in dem Schreiben, aus dem tschechische Zeitungen am Samstag zitierten.

Vergleich mit NS-Zeit

Viele Roma-Familien fühlten sich in dieser Situation bedroht und "erwägen ernst die Ausreise", betonte der Chef der nordmährischen Roma-Vereinigung, Milan Ferenec. Er verglich die Situation mit dem Beginn des Nationalsozialismus in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Am Montag hatten in Litvinov rund 500 Anhänger der rechtsextremistischen "Arbeiterpartei" gegen das Verhalten der Roma in der Stadt demonstriert. Danach wollten die Demonstranten in die vor allem von Roma bewohnte Siedlung marschieren, wurden allerdings von Ordnungskräften daran gehindert. Bei den Zusammenstößen wurden 14 Polizisten und Rechtsextreme verletzt, zwölf Demonstranten wurden verhaftet.

Unterdessen kündigte die "Arbeiterpartei" einen neuen Marsch in Litvinov an. Die Regierung will sich mit der Krisensituation in der Siedlung Janov auf der nächsten Sitzung in der kommenden Woche befassen.

Der tschechische Geheimdienst (BIS) warnte in seinem jüngsten Bericht vor der Tätigkeit der Rechtsextremen. Die Extremisten, die mehrere Organisationen haben, beginnen sich zu vereinen und wollen die Sympathien der Öffentlichkeit gewinnen. Dabei verlassen sie Themen wie Homosexuelle, Juden oder Hitler und konzentrieren sich auf das Thema der "sozial nicht anpassungsfähigen Bürger", womit Roma gemeint sind, hieß es. Laut dem BIS-Bericht muss man mit der Radikalisierung der Rechtsextremisten rechnen. (APA)

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