Der Körper als Sicherheitsgarant

22. November 2008, 11:30
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Der Einsatz biometrischer Verfahren zur verbesserten Identitätsprüfung ist nach Auffassung des IT-Dienstleister Unisys nicht zu stoppen

"Bei der Biometrie liegt das Problem nicht in, sondern hinter der Technik", stellt Dietrich Schmitt fest. "Wo hört der Sicherheitsaspekt auf, und wo beginnt die Überwachung?", ist für den Geschäftsführer von Unisys Deutschland eine der Kernfragen beim Einsatz biometrischer Verfahren zur eindeutigen Identifikation einer Person. War das Thema Biometrie vor 9/11 eher ein Randthema bei Sicherheitskontrollen an Grenzen oder Flughäfen, wollen immer mehr Länder dem Vorbild USA folgen und biometrische Identifikationsverfahren einsetzen.

Physiologische Charakteristika

Diese ermöglichen es, eine Person anhand physiologischer Charakteristika (Fingerabdruck, Gesicht, Muster der Iris) oder Verhaltensweisen (Stimme, Bewegung, Schrift) automatisiert zu erkennen. Auch in Unternehmen kommt Biometrie bei Zutrittskontrollanlagen immer häufiger zum Einsatz. "Heuer hat es in Deutschland dem Bundeskriminalamt zufolge bereits mehr als 90.000 Fälle von Wirtschaftsspionage gegeben", nennt Schmitt einen der Gründe für die steigende Nachfrage, die den Anbietern zweistellige Wachstumszahlen beschert. Vor kurzem hat der IT-Dienstleister in Wien ein Biometrie-Projekt in einem "öffentlichen Gebäude" (nähere Details gibt Unisys nicht bekannt) realisiert.

3-D-Gesichtserkennung

Ausgangspunkt war, dass neben den dort arbeitenden Beschäftigten auch viele Zulieferer oder Mitarbeiter von Reinigungsfirmen ein und aus gingen, die sich lediglich über ein Chipkartensystem zu identifizieren hatten. Da Chipkarten sich einfach weitergeben lassen, war nicht mehr feststellbar, welche Personen sich wirklich im Gebäude aufhielten. Entschieden hat man sich für eine 3-D-Gesichtserkennung, die in kurzer Zeit viele Menschen identifizieren kann, auch wenn diese nicht genau in die Erkennungskameras schauen. Kombiniert wird diese mit einem intelligenten Videomanagement. Dieses macht es unter anderem möglich, dass Kameras immer dann aktiv werden, wenn eine bestimmte Tür oder Linie geöffnet bzw. überschritten wird.

Betriebsräte einbinden

"Wichtig bei solchen Projekten ist unserer Auffassung nach, dass die Mitarbeiter darauf vorbereitet werden und auch der Betriebsrat eingebunden wird", sagt Projektverantwortlicher Wolfgang Grundei von Unisys Österreich. Der Biometrie-Einsatz sollte auf jeden Fall im Arbeitsvertrag verankert sein, rät der Experte. Erforderlich sei beim Einsatz von Biometrie aber auch ein gesellschaftlich-rechtliches Rahmenwerk, betonen Schmitt und Jäger. Da es in absehbarer Zeit auf EU-Ebene hier zu keiner einheitlichen Gesetzgebung komme, werde sich wohl jedes Land seine eigene Lösung zusammenstricken.

Die Technologie kann man nicht stoppen

"Die Technik kann man nicht stoppen, wir wollen aber für den richtigen Umgang damit sensibilisieren", sagt Unisys-Manager Schmitt. Dass etwa ein Kaufhaus Videokameras nicht nur zur Diebstahlsicherung, sondern auch zur Analyse des Kaufverhaltens einsetze, könne noch durchaus als legitim gelten. Problematisch werde jedoch die Vernetzung und Integration verschiedener Technologien, etwa von Videoaufnahmen, Kunden- und Kreditkarten. Aus den Augen verloren werden sollte auch nicht der Kostenaspekt beim Biometrie-Einsatz: Viele der Investitionen bewirkten oft nur eine minimale Verbesserung bei Sicherheitsaspekten.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 22.11.2008)

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    Biometrische Verfahren ermöglichen es, eine Person anhand physiologischer Charakteristika (Fingerabdruck, Gesicht, Muster der Iris) oder Verhaltensweisen (Stimme, Bewegung, Schrift) automatisiert zu erkennen.

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