Wintereinbruch in Österreich

24. November 2008, 11:39
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Straßensperren wegen Lawinengefahr - Ausfall zahlreicher Ampelanlagen - Tödliche Verkehrsunfälle am Samstag

Klagenfurt/Linz/St. Pölten/Eisenstadt/Bregenz/Graz/Salzburg/Innsbruck - Der Wintereinbruch in weiten Teilen Österreichs mit heftigem Sturm und verbreitetem Schneefall für erhebliche Behinderungen gesorgt.

Weiter Schneematsch in Vorarlberg

In Vorarlberg herrschten am Montag weiter winterliche Verhältnisse: Auf der Rheintalautobahn geriet ein Kleintransporter auf der teilweise mit Schneematsch bedeckten Fahrbahn ins Schleudern. Der 22-jährige Lenker blieb laut Polizeiangaben unverletzt, die Überholspur in Fahrtrichtung Deutschland war im Bereich Kummenberg wegen der Bergungsarbeiten für rund eine Stunde gesperrt.

Das Kfz prallte gegen 5.30 Uhr zunächst gegen die Außenleitschiene, schleuderte dann gegen die Mittelleitschiene und stürzte um. Der Fahrer konnte sich unverletzt selbst befreien. Am Wagen entstand erheblicher Sachschaden.

Die Lawinengefahr in höheren Lagen Vorarlbergs wurde laut Auskunft der Landeswarnzentrale weiter auf Stufe 3 eingeschätzt. Der teilweise stürmische Wind sollte sich im Laufe des Tages etwas legen. Daher werde die Lawinengefahr voraussichtlich eher abnehmen, wenn kein weiterer Neuschnee hinzukomme. Im Laufe des Tages erwartete der ZAMG Wetterdienst Bregenz nur mehr wenig Neuschnee, im Rheintal könnten Regen und Temperaturen über dem Gefrierpunkt die weiße Pracht in Schneematsch verwandeln.

Ungemütlich war die Nacht auf Montag laut Wetterdienst vor allem am Bodensee: Am Rohrspitz im Gemeindegebiet von Fußach (Bezirk Bregenz) wurden Windspitzen von bis zu 93 Kilometer pro Stunde gemessen, in Bregenz betrug die Windgeschwindigkeit bis zu 52 km/h. Ebenfalls stürmisch ging es in Brand (Bezirk Bludenz) zu, dort wurde bis zu 70 km/h starker Wind registriert.

In Tirol sind seit der Nacht von Samstag auf Sonntag mehrere Verbindungen nicht befahrbar, so der Autofahrerclub: Darunter etwa die Paznauntal Straße (B188) zwischen Pians und Galtür. Unter der Schneelast umgeknickte Bäume blockieren dort die Fahrbahn. Wegen drohender Lawinen gesperrt sind unter anderem die Reschenpass Straße (B180) sowie die Engadiner Straße (B184) ab Kajetansbrücke. Im gesamten Bundesgebiet besteht weiterhin auf zahlreichen höher gelegenen Straßen Schneekettenpflicht.

Erster Schnee im Grazer Becken und steirischem Süden

In der Obersteiermark mussten nach den neuerlichen Schneefällen Samstagnacht weitere Straßen gesperrt werden. Zum Teil waren Fahrbahnen noch am Sonntagvormittag mit bis zu 25 Zentimeter Schnee bedeckt. Kfz blieben hängen und standen quer. Auch die Niederungen im Süden der Grünen Mark wurden in der Nacht auf Sonntag erstmals leicht "angezuckert". Größere Behinderungen blieben vorerst aus.

Besonders stark von Glätte und Schnee waren der Raum Mariazell bis Bruck an der Mur betroffen. Die Semmering-Schnellstraße (S6) zwischen Knoten Bruck und Maria Schutz war am Sonntagvormittag Schauplatz mehrerer Unfälle und hängengebliebener Fahrzeuge. Für Lkw galt abschnittsweise Schneekettenpflicht auf der Mariazeller Straße (B20), der Gutensteiner Straße (B21), der Zellerrain-Straße (B71), der Weizer Straße (B72), der Buchauer Straße (B117), der Breitenauer Straße (L104), der Stollinggraben-Landesstraße (L123) und für das Preiner Gscheid (L135).

Der Schanzsattel, die Ramsauer Landesstraße (L711) und die Rohrmooser Landesstraße (L722) waren abschnittsweise für Lkw und Pkw gesperrt. Der Sölkpass und die Teichalm-Landesstraße (L320) zwischen Erhard und Fladnitz waren für den kompletten Verkehr unpassierbar. Die Niederalpl-Landesstaße (L113) zwischen Wegscheid und Mürzzsteg war am Sonntagvormittag laut ÖAMTC wegen knapp 30 Zentimeter Neuschnee auf der Fahrbahn nur erschwert zu befahren.

Samstag: Unfälle in Kärnten

In Kärnten schneite es in der Nacht auf Samstag nicht. Glatteis führte jedoch zu mehreren Unfällen, von denen einer tödliche Folgen hatte. Ein 18-jähriger Autolenker war in Unterkärnten in einer Kurve ins Schleudern geraten und gegen ein entgegenkommendes Auto geprallt. Zwei 16 Jahre alte Mädchen aus Bleiburg im Bezirk Völkermarkt, die bei ihm mitgefahren waren, erlitten dabei tödliche Verletzungen.

Fahrbehinderung auf der Westautobahn

In Niederösterreich führte der Wintereinbruch vor allem auf der Westautobahn (A1) zu Behinderungen. Samstagfrüh musste die Strecke von Pöchlarn bis Melk in Richtung Wien für etwa eine Stunde komplett gesperrt werden. Der Grund dafür waren hängengebliebene Lkw, wie der ÖAMTC mitteilte. Einsatzkräfte mussten ausrücken, um die Schwertransporter wieder fahrtauglich zu machen. Es kam zu umfangreichen Staus.

Ebenfalls auf der A1 kippte ein Lkw bei Ybbs um. Es bildete sich Stau auf rund zehn Kilometern Länge, so der ÖAMTC. Die Aufräumarbeiten dauerten mehr als zwei Stunden, berichtete der ARBÖ. Aufgrund des Wintereinbruchs herrschten generell schwierige Fahrbedingen auf der A1. Schneebedeckt war die Fahrbahn demnach von der oberösterreichischen Landesgrenze bis Amstetten. In Oberösterreich ist es trotz teils intensiven Schneefalls in der Nacht auf Samstag nur zu wenigen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr gekommen. Die Räumdienste waren im Dauereinsatz. Starker Wind führte teilweise zu Schneeverwehungen. Im Bezirk Urfahr rutschten einige Pkw von der Mühlkreisautobahn, im Bezirk Perg ereigneten sich auf der B3 drei leichte Sachschadenunfälle. Auf der Salkammergut Straße benötigten Lkw Schneeketten am Pötschenpass.

Kaum Behinderungen im Burgenland

Der Schneefall führte im Burgenland vorerst kaum zu Behinderungen. Im Norden gab es bereits in der Früh etwa fünf Zentimeter Neuschnee, im Süden hat leichter Schneefall erst am späten Vormittag eingesetzt. Im ganzen Bundesland waren die Straßenmeistereien je nach Bedarf mit Räumfahrzeugen im Einsatz. Im Nordburgenland kam es aufgrund Straßenglätte zu einem Unfall mit fünf Leichtverletzten.

 

Schwere Verkehrsunfälle in Salzburg

Auf schneebedeckten und glatten Straßen kam es am Samstagnachmittag im Salzburger Flachgau zu schweren Verkehrsunfällen. Auf der Wolfgangsee Bundesstraße zwischen St. Gilgen und Strobl kollidierten kurz nach 16 Uhr zwei Fahrzeuge. Dabei wurden nach Angaben des Roten Kreuzes zwei Personen schwer verletzt. Während der Bergungsarbeiten war die Straße für den gesamten Verkehr gesperrt.

Auf der Mattseer Landesstraße fuhr gegen 13.15 Uhr ein Rumäne von Oberösterreich kommen in Richtung Mattsee als er in einer Linkskurve auf der durch Schneeverwehungen bedeckten Fahrbahn ins Schleudern geriet und gegen einen entgegenkommenden Lkw prallte. Die Frau des Rumänen zog sich schwer Verletzungen zu und musste von der Feuerwehr mit der Bergeschere aus dem Fahrzeug befreit werden. Sie wurde vom Rettungshubschrauber ins Unfallkrankenhaus Salzburg geflogen. Ihr Mann wurde leicht verletzt und wurde ebenfalls ins Unfallkrankenhaus Salzburg gebracht. Der Lkw-Lenker und sein Beifahrer wurden nur leicht verletzt und konnten ambulant behandelt werden, teilte die Polizei mit.

Lawinengefahr in Salzburg

In Salzburg ging der Wintereinbruch mit keinen größeren Problemen auf den Straßen einher. In Zell am See im Pinzgau geriet eine 68-Jährige mit ihrem Pkw bei winterlichen Straßenverhältnissen auf die Gegenseite und stieß frontal mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Bei dem Unfall wurden insgesamt sechs Personen leicht verletzt.

In den Bergen führten die ersten stärkeren Schneefälle zu einem Anstieg der Lawinengefahr. Der Salzburger Lawinenwarndienst sprach von mäßiger bis erheblicher Gefahr.

Tirol: Verspätung der Öffis

Für die zahlreichen Unfälle auf den nassen und verschneiten Straßen in Tirol war laut Polizei meistens Alkohol am Steuer oder überhöhte Geschwindigkeit die Ursache. Öffentlichen Verkehrsmittel im Großraum Innsbruck waren bis zu 20 Minuten verspätet unterwegs. Am Freitag musste die Zillertal Bundesstraße wegen eines am aufgeweichten Straßenbankett eingesunkenen Lkw für zwei Stunden gesperrt werden. Der Sattelzug drohte umzustürzen und blockierte dadurch auch die Gleise der Zillertalbahn. (APA/red)

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    Der Wintereinbruch in weiten Teilen Österreichs mit verbreitetem Schneefall hat auch in der Nacht auf Sonntag für umfangreiche Behinderungen gesorgt.

  • Viel Schnee auch in Dornbirn.
    foto: epa/stiplovsek dietmar

    Viel Schnee auch in Dornbirn.

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