Patria-Affäre: Österreichische Indizien zu Schmiergeldern

21. November 2008, 19:54
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Wolfgang Riedl soll Steyr-Mitarbeitern 500.000 Euro Schmiergeld angeboten haben

Ljubljana/Wien - Österreichische Ermittler sollen laut slowenischen Medienberichten über neue Indizien zu angeblichen Schmiergeldzahlungen in der Patria-Rüstungsaffäre verfügen. Demnach soll der Wiener Geschäftsmann und Osteuropa-Repräsentant des finnischen Patria-Konzerns, Wolfgang Riedl, der einer der Hauptverdächtigen in der Affäre ist, für Informationen über die Geschäfte des Konkurrenten Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug (Steyr SSF) 500.000 Euro angeboten haben. Das berichtete die Laibacher Tageszeitung "Dnevnik" am Freitag.

Riedl, Ex-Vorstand der Steyr SSF und seit 2005 Patria-Berater für mehrere Regionen, darunter auch Slowenien, steht im Verdacht der Bestechung und Industriespionage. In der Affäre um den 278 Millionen Euro schweren Verkauf von 135 finnischen Radpanzern an Slowenien soll Riedl mindestens einem Steyr-Mitarbeiter Geld für Detailinformationen über die Angebote des österreichischen Unternehmens in Slowenien und Kroatien angeboten haben. Das geht laut "Dnevnik" aus einer umfangreichen Dokumentation hervor, welche die österreichische Staatsanwaltschaft in den vergangenen Wochen über Steyr angelegt habe.

Informationen

Der Hauptteil der Dokumentation soll sich auf den Zweitraum zwischen 2006 und 2007 beziehen. In diesem Zeitraum bekam das Angebot des finnischen Patria-Rüstungskonzerns für neue Radpanzer - sowohl in Slowenien als auch in Kroatien - den Zuschlag. Die österreichische Konkurrenz von Steyr SSF kam nicht zum Zug.

Riedl soll von Steyr auch Informationen über Steyr-Geschäfte in Kuwait erhalten haben, wo Patria allerdings nicht tätig war. In der Dokumentation soll sich nach Angaben der Zeitung auch die E-Mail-Korrespondenz zwischen Riedl und mehreren Steyr-Mitarbeitern befinden. Steyr entließ wegen angeblicher Kooperation mit Riedl vergangene Woche zwei Mitarbeiter, berichtete "Dnevnik" und berief sich dabei auf mehrere informelle Quellen. Unklar ist, ob die beiden Steyr-Mitarbeiter tatsächlich von Riedl auch Schmiergeld erhielten.

Weder Steyr noch die österreichische Staatsanwaltschaft wollten den Fall kommentieren, so die Zeitung weiter. In Riedls Unternehmen wurde "Dnevnik" mitgeteilt, dass der Geschäftsmann "heute und in den kommenden Tagen für Journalisten nicht zu erreichen sein wird". Auch gegenüber der APA war am Freitag bei Steyr SSF niemand für eine Auskunft zu erreichen. Auch bei der Wiener Staatsanwaltschaft war zunächst keine Auskunft bzw. Stellungnahme zu dem Bericht zu erhalten. (APA)

 

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