Kopf des Tages: Junggesellin, die höchste Gipfel erklimmt

21. November 2008, 19:47
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Janet Napolitano soll Ministerin für Heimatschutz werden

Die voraussichtliche Ernennung von Janet Napolitano zur US-Heimatschutzministerin wird von allen Seiten des politischen Spektrums positiv aufgenommen: Die Gouverneurin von Arizona hat sich nicht nur während ihrer bisher sechsjährigen Amtszeit, sondern bereits vorher auf dem politischen Parkett bewährt.

Napolitano wurde am 29. November 1957 in New York als Tochter des Dekans der University of New Mexico geboren, wo sie auch einen Teil ihrer Kindheit verbrachte. An der angesehenen University of Virginia machte sie ihr Jus-Doktorat. Dann war sie Teil des Beraterteams der Jusprofessorin Anita Hill, die den für das Amt des Obersten Richters nominierten Clarence Thomas beschuldigte, sie sexuell belästigt zu haben. 1993 wurde sie von Präsident Bill Clinton zur Bundesrichterin für den Staat Arizona ernannt. Sie spielte eine wesentliche Rolle im Verfahren gegen den aus Arizona stammenden Michael Fortier, einen der Beteiligten beim Bombenangriff von Oklahoma City. 1998 wurde sie zur Staatsanwältin für Arizona gewählt.

Eine Brustkrebserkrankung konnte sie nicht sonderlich erschüttern: Drei Wochen nach ihrer Mastektomie im Jahr 2000 hielt sie eine Rede beim demokratischen Parteitag und erinnert sich noch heute mit Schaudern daran: "Die Schmerzen waren so schlimm, ich konnte beinahe nicht stehen." 2002 wurde sie als dritte Frau in der Geschichte Arizonas zur Gouverneurin des Bundesstaates gewählt; bei ihrer Wiederwahl 2006 erhielt sie 63 Prozent der Stimmen.

Laut den Gesetzen in Arizona darf sie kein drittes Mal kandidieren; es wurde daher gemunkelt, dass sie sich für den derzeit von John McCain gehaltenen Senatssitz bewerben könnte. Kein Wunder also, dass der Republikaner ihr "eine rasche Bestätigung" durch den Senat wünschte.

Bereits Anfang Jänner diesen Jahres entschloss sie sich, Barack Obama zu unterstützen, und wurde immer wieder als Vize präsidentschaftskandidatin gehandelt. Als Gouverneurin eines an Mexiko angrenzenden Staates ist sie geradezu prädestiniert für den Job: Sie sprach sich für sichere Grenzen aus, plädierte aber gleichzeitig, ebenso wie Obama, für eine menschliche Behandlung illegaler Einwanderer und sprach sich für die Möglichkeit aus, ihnen die Chance auf die US-Staatsbürgerschaft zu geben.

Über ihr Privatleben ist nicht viel bekannt, außer dass sie Junggesellin ist und in ihrer Freizeit den Kilimanjaro erklommen hat. Und sie gilt als glühende Anhängerin der britischen Comedy-Gruppe Monty Python, die von ihr des Öfteren zitiert wird. (Susi Schneider /DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2008)

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