Kleider Bauer: "Wir leben noch"

21. November 2008, 19:26
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Die Textilkette sieht sich acht Jahre nach dem Konkurs auf halbem Weg saniert. Eigentümer Peter Graf über die Angst des Unternehmers, die Verpfändung von Haus und Hof und ausufernde Gerichtsprozesse

Wien - Die Angst sei der immer wiederkehrende Begleiter des Unternehmers, sagt Peter Graf. Sie abzuschütteln gelinge nur kurzfristig. Seine Haare seien dadurch grau geworden, fügt er schmunzelnd hinzu, und über ein halbes Jahr habe er keine Nacht ruhig geschlafen.
Graf ist 48 und Eigentümer der Textilkette Kleider Bauer. Öffentliche Auftritte meidet er. Gespräche mit den Medien sind tabu. Bei Neueröffnungen eigener Filialen hält er sich dezent im Hintergrund. Peter Schnedlitz, Handelsexperte an der Wiener Wirtschaftsuni, hat Graf zu einem Referat vor Studenten geladen: "Manche Unternehmer treten nur einmal auf, und das ist hier." Knapper Titel des Vortrags: Der Sanierungsfall Kleider Bauer.

Graf und sein Bruder Werner haben das tief in die Krise geschlitterte Traditionsunternehmen vor acht Jahren aus dem Konkurs übernommen. 70 Millionen Euro legten die beiden für 30 der 40 Standorte auf den Tisch. Es folgten wilde Spekulationen darüber, wie sich ihr Textilbetrieb, der einige wenige Filialen unter der Marke Hämmerle betrieb, das leisten könne. "Wir haben Haus und Hof verpfändet" , sagt Graf. Ein bekannter Immobilienexperte habe sich zwar nicht wie erhofft beteiligt, aber ein gutes Wort bei Kreditgebern eingelegt. "Wir erhielten eine Bankgarantie von damals 100 Millionen Schilling.

"Mussten uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen"

Graf projiziert eine Grafik der Filialen an die Wand, 15 Brandherde sind zu sehen. Die Einkaufscenter hätten Kleider Bauer Mietverträge reihenweise gekündigt, erzählt er. Sein Unternehmen sei geklagt worden, habe zeitweise bis zu 40 Prozesse gleichzeitig geführt, aber einen wesentlichen Teil davon gewonnen. Die Sicht der Kontrahenten: Kleider Bauer lege Verträge eigenwillig aus, nutze jeden Anlass, um zu klagen, verlange enorme Ablösen und sei nicht berechenbar, so der Tenor. Verfahren mit Centern wie der SCS sind noch anhängig.

"Man hat uns unterschätzt" , sagt Graf rückblickend. Alle hätten vorhergesagt, dass er und sein Bruder sich mit dem Kauf von Kleider Bauer klar übernehmen würden. "Wir mussten uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, aber wir leben noch." Graf spricht leise, der dunkle Rollkragenpulli reicht bis ans Kinn. Ist Kleider Bauer saniert? Es sei Working Progress - "wir sind auf halbem Wege" , fügt er später im Gespräch mit dem Standard hinzu, "es gibt Verbesserungsbedarf."

Er wolle ein Netz aus 25, möglicherweise 30 Filialen erhalten. 17 seien mittlerweile erneuert, weitere Umbauten folgten, 2009 etwa in der Wiener Mariahilfer Straße. In Graz eröffne kommende Woche der vierte Standort unter dem Namen Hämmerle. Mit dieser Marke könne er sich auch den Schritt ins Ausland vorstellen. Alles in allem zähle die Gruppe gut 800 Mitarbeiter.
In der Bilanz 2007/08 weist die Kleider Bauer Betriebs-GmbH Umsätze von 80 Millionen und einen Gewinn von 95.000 Euro aus. Zwei Jahre davor lag er noch bei 1,7 Millionen. Es habe herbe Rückschläge und Zank, aber auch viele positive Wendungen gegeben, sagt Graf. An einen Verkauf der Textilkette denke er nicht. "Wenn wir das wollten, hätten wir es längst getan." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.11.2008)

  • Kleider Bauer hüllt sich unter den neuen Eigentümern, den Brüdern
Graf, in Diskretion. Ein Netz von 25 bis 30 Standorten soll in
Österreich erhalten bleiben, sie werden schrittweise saniert.
 
    foto: standard/urban

    Kleider Bauer hüllt sich unter den neuen Eigentümern, den Brüdern Graf, in Diskretion. Ein Netz von 25 bis 30 Standorten soll in Österreich erhalten bleiben, sie werden schrittweise saniert.

     

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