Energieschub für Ärmste der Armen

21. November 2008, 19:22
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E-Control und Caritas drängen auf bundesweit einheitliche Zuschüsse

Wien - Gut 300.000 Menschen in Österreich können laut Caritas ihre Wohnungen nicht angemessen warm halten, weil das Geld fehlt. Sollten die Energieversorger die Preise für Strom und Gas weiter anheben, könnten tausende weitere Haushalte ernste Probleme bekommen - "ein untragbarer Zustand" , wie Caritas-Präsident Franz Küberl am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Chef der E-Control, Walter Boltz, sagte.

Caritas und E-Control wollen nun gemeinsame Sache machen, damit die Ärmsten der Armen nicht ihrem Schicksal überlassen bleiben. Ab sofort wird in Wien mit einem Pilotprojekt gestartet, bei dem die E-Control Energieberater in Haushalte schickt, die von der Caritas benannt werden. Gegen einen symbolischen Beitrag sollen betroffene Menschen beraten werden, wie am besten Geld eingespart werden kann. In Kooperation mit dem Forum Haushaltsgeräte sollen die vorhandenen Geräte überprüft und bei Bedarf gegen neue, energiesparende getauscht werden.
Bis zu 50 Beratungen seien in einem ersten Schritt geplant, anschließend könnte die Aktion auf ganz Österreich ausgeweitet werden. Boltz möchte auch den Kreis der Unterstützer erweitern, diesbezügliche Gespräche mit Energieversorgern liefen "vielversprechend" .

Solidarbeitrag

Warum gerade bei der Energieeffizienz angesetzt werde, hat nach Angaben von Küberl einen einfachen Grund: "Die betroffenen Menschen leben meist in schlecht isolierten Wohnungen. Sie brauchen in der Regel mehr Energie, weil die Wohnung aufgrund von Kindern den ganzen Tag warm gehalten werden muss und die Menschen aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheit oder einer Behinderung mehr Zeit zu Hause verbringen."

Ärmere Haushalte müssten einen größeren Teil ihres Einkommens für Energie ausgeben als Menschen mit höherem Einkommen. Dieses Einkommen reiche immer seltener. "Die Zahl der Personen, denen Gas oder Strom abgeschaltet wird, weil sie mit der Zahlung in Verzug sind, geht in die Tausende", sagte Küberl.

Küberl und Boltz fordern eine österreichweite Harmonisierung und Minimierung der Ab- und Anschaltkosten, die derzeit zwischen 40 und 240 Euro liegen. Auch kundenfreundliche Ratenvereinbarungen stehen auf der Forderungsliste, genauso wie eine bundesweite Vereinheitlichung der Energiezuschüsse. 60 Millionen Euro pro Jahr könnte reichen, um armen Menschen eine warme Wohnung zu sichern.

Zahlen sollten die ganz oder teilweise in öffentlichem Besitz stehenden Energieversorger - eine Art Solidarbeitrag. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.11.2008)

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