Unis nicht nur als Kostenfaktor sehen

21. November 2008, 19:24
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Was das österreichische Hochschulwesen braucht - Ein Kommentar der anderen von Christoph Badelt

Drei Uni-Rankings innerhalb dreier Monate: zuerst jenes der Shanghai Jia Tong University ("Sieben heimische Unis unter Top 500" ), dann die Bewertungen des "Times Higher Education Supplement" mit der Aussage, nur noch "eine heimische Universität unter den weltweit besten 200 Hochschulen" , schließlich jüngst jenes des "Lisbon Council" mit schwerer Kritik am österreichischen Hochschulsystem. In den Schlagzeilen ist gerne von "Absturz" , "Ineffizienz" oder "Krise" der österreichischen Universitäten die Rede. Die Totschlagargumente sind mittlerweile im Arsenal verstaut, denn das nächste Ranking kommt bestimmt.
Trotz mancher methodischer Verzerrungen in den Vergleichsarbeiten müssen sich Österreichs Hochschulen darauf einstellen, dass als Folge des internationalen Wettbewerbs im tertiären Sektor die Rankings gekommen sind, um zu bleiben. Die entscheidende Frage ist, welche Konsequenzen aus dieser Entwicklung gezogen werden. Österreichs Universitäten sind sich der Konkurrenzsituation durchaus bewusst und setzen auf Qualitätsverbesserung und auf Profilbildung. Es geht aber vielfach nicht um Aktionen der einzelnen Unis, sondern um Probleme des Universitätssystems. Und für dieses sind weitgehend die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen verantwortlich.

Zu großer Sorge gibt daher das Verhalten der (Finanz-)Politik Anlass, die - von Rankingergebnissen unbeeindruckt - weiterhin die Universitäten eher als Kostenfaktor denn als Investition in die Zukunft des Landes betrachtet. Nur wenn sich diese Zukunft über mehr als zwei Legislaturperioden erstreckt, sind die Volksvertreter offenbar geneigt, Entschlossenheit zu beweisen. So gesehen war es folgerichtig, dass sich alle Fraktionen im Nationalrat schon 2007 bereit fanden, den Anteil des tertiären Bildungssektors am Bruttoinlandsprodukts von derzeit 1,2 auf zwei Prozent kontinuierlich zu steigern - und zwar bis 2020 (!); ein Zeithorizont, der weit genug entfernt zu liegen scheint, um sich vor Sofortmaßnahmen zu drücken. Allerdings naht jetzt die Stunde der Wahrheit - in Form eines Koalitionsabkommens und den darin enthaltenen budgetären Festlegungen.

Als Präventionsmaßnahme gegen bildungspolitischen Stillstand hat die Österreichische Universitätenkonferenz vor der Nationalratswahl eine Road Map vorgelegt, die die notwendigen Investitionen im österreichischen Hochschulwesen aufzeigt. Was es braucht, ist:

(1) eine Ausweitung der Ausbildungskapazitäten, vor allem in chronisch überlasteten Studiengängen;

(2) einen massiven Ausbau der (forschungsorientierten) Doktoratsprogramme;

(3) die rasche Umsetzung eines Exzellenzprogramms für die Unis;

(4) den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur,

(5) die rasche Umsetzung eines Laufbahnmodells in einem Kollektivvertrag, derNachwuchsforscherinnen und -forschern in Österreich eine Perspektive gibt.


Vom Rankingjammer ...

Dieser Fahrplan hätte eine Aufstockung des Globalbudgets der Universitäten um durchschnittlich 600 Millionen Euro jährlich von 2010 bis 2012 zur Folge. Tatsächlich wurde kurz vor dem Wahltermin die weitgehende Erfüllung dieser Forderung in einem Entschließungsantrags des Nationalrats schriftlich festgehalten. In wenigen Tagen wird die Öffentlichkeit von den Koalitionsverhandlern erfahren, wie viel das Papier aus dem Hohen Haus der neuen Regierung wert ist.
Es geht aber nicht nur um eine bessere finanzielle Ausstattung der Unis. Seit Jahren pochen die Rektoren vergeblich auf eine dauerhafte Regelung des Uni-Zugangs, um die unhaltbar hohen Drop-Out-Raten und die lange Studiendauer in den Griff zu bekommen; auf die Einführung einer Studienplatzbewirtschaftung, um tatsächlich mehr Studierende zu einem akademischen Abschluss zu führen. Und um Maßnahmen, die zu einer besseren sozialen Durchmischung der österreichischen Studierenden führen - diese beginnen bei der Schule der 10- bis 14-Jährigen und müssen in einem wirklich großzügigen System der Studienförderung münden.


... zum Erfolgserlebnis

Wenn sich diese Einsicht und der eigene Handlungsbedarf bis zu den politischen Entscheidungsträgern durchspricht, würde dies statt des monatlichen Rankingjammers zu Erfolgserlebnissen im Jahresabstand führen - beginnend noch in der anlaufenden Legislaturperiode. (Christph Badelt, DER STANDARD-Printausgabe, 22. November 2008)

Christoh Badelt ist Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien und Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz.

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