Der Seebär und der Everest

21. November 2008, 19:27
posten

Russell Coutts, Segel­legende aus Neuseeland, spricht über ein tolles Spielzeug, den America's Cup, die Wettrennen um den Globus

Wien/Atlantik/Indischer Ozean - Die vom Jetleg müden Augen des Russell Coutts beginnen augenblicklich zu funkeln, bringt man das Thema auf sein Lieblingsspielzeug. Dieses liegt vor Dan Diego. Coutts hatte noch damit gespielt, ehe ihn der Flieger zur Vienna Boat Show lieferte, wo es auch nette Spielzeuge zu sehen gibt. Freilich nicht den mächtigen Trimaran von BMW Oracle Racing, der ebenso lang wie breit ist, ein Quadrat mit 90 Fuß (rund 30 Meter) Seitenlänge. "Extrem", sagt Coutts, "einfach extrem." Was sich damit anstellen lässt außer spielen, ist allerdings noch nicht heraußen.

Gebaut wurde er, um im nächsten Jahr um die älteste Sporttrophäe der Welt zu segeln, den America's Cup. Doch der Rechtsstreit zwischen den Milliardären, dem US-Amerikaner Larry Ellison, Teamchef von BMW Oracle, sowie dem Schweizer Ernesto Bertarelli, der den zweifachen America's-Cup-Sieger Alinghi sein Eigen nennt, um das Regelwerk ist noch nicht ausgestanden. Dass der Streit dem Image des legendären Segelrennens höchst abträglich ist, sieht Herr Coutts nicht so. Dreimal hat er als Skipper den America's Cup gewonnen, zweimal für Neuseeland, 2003 für die Schweiz auf der Alinghi, ehe er sich im Streit von Bertarelli trennte. Jetzt macht er den Verhandlungsführer von BMW-Oracle, ist also Partei.

"Mit so einem spektakulären Boot", sagt Coutts, "können wir auch Menschen für den Segelsport interessieren, die sonst nichts damit zu tun haben." Andere halten das Trumm für ein Matchrace, also ein Duell, für völlig ungeeignet. Coutts selbst ist mit dem Trimaran den Grenzen noch nicht in die Nähe gekommen. Die Mannschaft pflegt sicherheitshalber behelmt zu sein. Und das Ding macht, erzählt Coutts, auf einem Vorwindkurs bei 12 Knoten Wind 36 Knoten Fahrt. Auf Amwindkursen befinden sich zwei der drei Rümpfe in der Luft, der luvseitige mehr als zehn Meter hoch. "Jeder Steuerfehler kann fatal sein."

Coutts baut auch Rennyachten, hat 2006 eine Klasse namens RC (Russell Coutts) 44 kreiert, das 21. Schiff dieser Art wird im Dezember fertig. Vor kurzem kaufte sich der Österreicher René Mangold eine Gebrauchte (400.000 Euro ohne Segel), er wird mit seinem "Team Austria" wie Coutts die RC 44 Champions Tour schmücken, die wiederum im Mai den Traunsee schmücken wird.

Coutts plaudert auch gerne über die derzeit stattfindenden Wettfahrten rund um die Welt. Begeistert ist er vom Volvo Ocean Race, in dem 70-Fuß-Yachten auf der Suche nach Sturmtiefs sind. Dieser Tage ist die zweite Etappe im Gange, von Kapstadt nach Indien, und der österreichische Skipper der russischen Kosatka, Andreas Hanakamp, vermeldete einen Erfolg. Als Vierte erreichten sie das Gate am 58. Längengrad im Indischen Ozean, in der Gesamtwertung sind sie Siebente von acht Schiffen, doch das Feld ist angesichts der Distanzen nicht weit auseinandergezogen. Die Kosatka lag 84 Meilen hinter der Führenden Ericsson 3. Wäre das nichts für Coutts? "Wenn ich das mache, lässt sich meine Frau scheiden."

Was Coutts irgendwie gar nicht packt, ist das Vendee Globe der Einhandsegler, welches nonstop um den Globus führt. Die 60-Füßer segeln gerade den Atlantik hinunter, der Österreicher Norbert Sedlacek eher gemächlich, er liegt ungefähr bei den Kapverden und als 23. mehr als 800 Meilen hinter dem führenden Franzosen Loick Peyron. Coutts: "Das ist wie eine Everest-Besteigung ohne Sauerstoff. Und das mache ich auch nicht." (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 22.11.2008)

  • "Wir haben die Roaring 
Fourties verlassen, und der Nordwestwind ist wärmer als der Südwest der letzten 
Tage", berichtet Andreas Hanakamp, Skipper der Kosatka, vom Volco Ocean Race.
    rick tomlinson/volvo ocean race

    "Wir haben die Roaring Fourties verlassen, und der Nordwestwind ist wärmer als der Südwest der letzten Tage", berichtet Andreas Hanakamp, Skipper der Kosatka, vom Volco Ocean Race.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Russell Coutts will kein Skipper ohne Mannschaft sein.

Share if you care.