Eine ziemlich tiefe Geschichte

21. November 2008, 18:58
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Es bleibt noch beschämt anzumerken, dass wir unsere Zeitung in der Nacht zum Mittwoch wieder einmal unzulänglich aktualisiert haben

Wer mit dem STANDARD rechnet, kommt zu faszinierenden Ergebnissen. Die tiefergelegte Lutz-Bar, die wir am vergangenen Samstag präsentierten, ist ein Glanzstück höherer Redaktionsmathematik. 300 Quadratmeter groß ist die in der Tiefe - technisch gesehen „schwimmende" - Kellerdisco , angeblich wurden 250.000 Kubikmeter Erde ausgehoben.

Unser Leser Holger Jäger meint, das lasse „einen über 800 Meter hohen Raum erwarten. Spannend". Dr. Gerhard Bonner kalkulierte verwundert bis ins Detail: „Wo in der übrigen Welt würde ein vergleichbares Bauvorhaben damit rechnen können eine Baugenehmigung zu erhalten? Wo sonst fänden sich Architekten und Baufirmen, um Vergleichbares zu realisieren, wo sonst gäbe es nur einen müden Protest gegen den Aushub, der dazu führte den Abtransport in eine größere Straße zu verlegen und wo sonst gäbe es für einen solchen richtungsweisenden, gewagten Gastronomiebetrieb eine Betriebserlaubnis?

Wenn ich annehme dass bei einer Lokalgrundgröße von 300 Quadratmetern nochmals 300 Quadratmeter an Funktionsräumen benötigt werden, somit eine Grundfläche von 600 Quadratmeter verbaut wurden, liegt der Club cirka 417m unter Bodenniveau, soferne er „am Boden schwimmt". Bereits die Liftfahrt von etwa 140 Stockwerken hinab in die Tiefe muss ein wahrlich einstimmendes Erlebnis sein! Schallschutz kann da kein Thema mehr sein, wer die sicher vorhandenen Fluchtstiegen verwendet und zu Fuß hinab (oder danach wieder hinauf) schreitet kann sich sein Abo im Fitnessclub auch sparen. ,Schwimmt' der Club hingegen mittig in den 417 Metern, hat man auf das Ruhebedürfnis der Erdmännchen geradezu vorbildhaft Rücksicht genommen, das Erlebnis der 70 Stockwerke Liftfahrt ist natürlich im Vergleich eher mickrig!

Eine Information vermisse ich allerdings in dem von nobler Zurückhaltung geprägten Artikel: Wohin bitte wurde der Aushub im Kubaturausmaß von zwei bis drei Flaktürmen verbracht? Ein neuer Berg (Skilift für Winternutzung geplant)? Export auf die Malediven mittels untergenutzten AUA-Fluggerätes um deren langfristige Nutzung bei steigendem Meeresniveau zu sichern?"

Dieser Eröffnung ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Es bleibt noch beschämt anzumerken, dass wir unsere Zeitung in der Nacht zum Mittwoch wieder einmal unzulänglich aktualisiert haben. Auf einer Innenpolitikseite wurde eine Notiz über das Ansinnen der Schulbehörde, die Besucher einer oberösterreichischen Schule mögen auch in den Pausen Deutsch sprechen, durch einen Kurzartikel über einen möglichen Nachschlag für Bezieher von Kleinstpensionen ersetzt. Der Titel Deutschpflicht in der Schulpause wurde leider nicht verändert - ein Unfug, so oder so. (Otto Ranftl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.11.2008)

 

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