Pensionen - Populistisch statt sozial

21. November 2008, 18:53
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Es geschieht eine Umverteilung zugunsten derer, die ohenhin ein halbwegs sorgenfreies Arbeitsleben hatten

Länger arbeiten? Jedem ist bewusst, dass das notwendig ist - den Arbeitnehmern ebenso wie den Politikern. Und im Prinzip stimmen auch alle der Einsicht zu, dass eine höhere Lebenserwartung auch eine längere Bezugsdauer der Pension und damit einen mathematisch höheren Wert des Pensionsbezugs bedeutet. Aber weil es halt nicht sehr populär ist, versicherungsmathematische Berechnungen anzuwenden, wo man doch so viel lieber sozialpolitisch gestalten würde, werden die Reformen der Regierung Schüssel ausgehebelt. Man sucht andere Auswege.

Individuell führen diese Wege zu einem früheren Pensionsantritt. Wer diesen Weg einschlagen kann, weil die gerade gültigen Bestimmungen - vor allem dank Hacklerregelung - eben auf seinen Fall anwendbar sind, der wählt ihn. Auch wenn der 65. Geburtstag noch weit, weit entfernt ist. Die Politik erleichtert ein allfälliges schlechtes Gewissen: Auch nach 2013, so haben SPÖ und ÖVP beschlossen, soll die Hacklerregelung "sanft auslaufen" - und ÖVP-Arbeitnehmervertreter Fritz Neugebauer hat voreilig, aber treffend übersetzt, dass das ganz einfach "weiterlaufen" heißt.

Das bedeutet: Wer als 15-jähriger Lehrling bei einem Großbetrieb begonnen hat und bis ans Ende der Berufslaufbahn beschäftigt war, der darf mit 60 die volle Pensionshöhe abheben - und das laut Statistik Austria im Schnitt 23 Jahre lang. Wer aber (wie heute üblich) eine mehrfach unterbrochene Karriere hat, muss bis ins hohe Alter arbeiten. Das ist eine Umverteilung zugunsten derer, die ohenhin ein halbwegs sorgenfreies Arbeitsleben hatten. Sozial ist das nicht - aber das stört die Sozial-Populisten nicht. (Conrad Seidl/DER STANDARD-Printausgabe, 22.November 2008)

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