Raiffeisen KAG muss Sparstift ansetzen

21. November 2008, 18:21
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Die Finanzkrise kostet hunderttausende Arbeitsplätze - Österreichs Banken sind bisher ungeschoren davongekommen

Wien - Die Finanzkrise hinterlässt tiefe Spuren in den Großbanken dieser Welt - nicht nur in deren Bilanzen. In den vergangenen Wochen und Monaten haben die Institute massenhaft Mitarbeiter in die Wüste geschickt - erst diese Woche wurden Pläne bekannt, wonach die amerikanische Citigroup weitere rund 53.000 Mitarbeiter abbauen wird; mehr als 23.000 mussten schon gehen (siehe Grafik).

Bei den österreichischen Großbanken ist von solchen Einschnitten derzeit offiziell nichts zu hören. Vor allem jene Banken, die sich um Staatshilfe anstellen, wollen den Markt nicht durch Kündigungen nervös machen, heißt es in Finanzkreisen.

Massive Einbußen an Volumen

Die internen Strukturen werden aber bei vielen Instituten eher früher als später angepasst werden, denn der Bankensektor sei immer noch "sehr personalintensiv", wie es ein Involvierter zurückhaltend ausdrückt. Bei kleineren Privatbanken etwa stehen bereits die Jobs in den Research-Abteilungen zur Disposition; bei größeren denken die Manager intensiv darüber nach, die eine oder andere ausgegliederte Tochtergesellschaft wieder zurück ins Haus zu holen.

Bei den meisten Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) wird es ohne Veränderungen wohl nicht abgehen. Deren Geschäft hat im heurigen Jahr massiv gelitten. Die 24 großen österreichischen KAGs haben bis Ende Oktober rund 21,8 Prozent ihrer Gesamtvolumina verloren: von rund 164 Milliarden Euro auf rund 128 Milliarden.

Die Erste-Sparinvest KAG etwa traf es mit einem Minus von 22,8 Prozent (auf 23,4 Mrd. Euro), Pioneer Investments (der Bank Austria zuzurechnen) mit einem Minus von 16,7 Prozent (auf 21 Mrd. Euro). Das Volumen der größten Gesellschaft, Raiffeisen KAG, hat von ursprünglich 38 Milliarden Euro auf 27 Mrd. Euro abgebaut: minus 28 Prozent.

Personaleinsparungen

Während Erste-Sparinvest und Pioneer derzeit keinen Abbau von Mitarbeitern planen, schaut es bei Raiffeisen Capital Management (RCM; dahinter stecken KAG, Vermögensverwaltungsbank, Raiffeisen Immobilien KAG und eine Auslandsvertriebstochter) düsterer aus. Das 1985 gegründete Unternehmen beschäftigte zuletzt rund 330 Mitarbeiter; von den 400 Fonds werden 30 bis 40 fusioniert. Auch bei den Mitarbeitern wird es laut Geschäftsführer Mathias Bauer zu Einsparungen kommen. Bis zum nächsten Jahr will man auf einen Personalstand von 280 kommen. Bauer: "Unser Plan ist, dass das über den natürlichen Abgang geschieht. Wir hoffen, dass wir ohne Kündigungen auskommen." Tatsächlich werden derzeit bereits Bonuskürzungen diskutiert, Urlaubstage abgebaut und Teilzeitlösungen forciert. Laut Bauer will man damit zehn Prozent (drei Millionen Euro) der Personalkosten einsparen; andere sprechen von fünf Millionen Euro. Der Aufsichtsrat soll all das in einer Sitzung am 4. Dezember beschließen.

In Summe muss aber viel mehr eingespart werden: Es geht um 22 Mio. Euro, wie kolportiert wird. Insgesamt sollen die Kosten um zehn Millionen sinken, weitere 12,5 Millionen sollen so zu sagen zu Lasten der Aktionäre gehen, die auf die Dividende verzichten sollen. Das freut dem Vernehmen nach nicht alle Aktionäre (RZB und acht Raiffeisen Landesbanken).

RCM-Betriebsratschef Friedrich Schiller hofft jedenfalls auf das Gute im Sektor. "Ich bin überzeugt, dass die Eigentümer in dieser schwierigen Situation hinter den Mitarbeitern stehen" , sagte er auf Anfrage des STANDARD. (Renate Graber, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.11.2008)

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