Achternbusch: "Irgendwo draußen ist Leben möglich"

21. November 2008, 17:43
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Herbert Achternbusch, der anderssinnige Filmemacher, Autor und Maler, wird 70 Jahre: Filmnächte in BR, ORF, 3sat und eine Ausstellung

"Glück ist nur einen Atemzug vom Leben entfernt, aber du weißt nie, sollst du als Nächstes ein- oder ausatmen, damit du es hast", so einer der Protagonisten in Herbert Achternbuschs Film Atlantikschwimmer. Sie tragen Flossen an den Füßen, eine Badekappe auf dem Kopf und senken ihre im Wirtshaus trainierten Körper in den Walchensee - schwimmen nach Amerika. Nicht Amerika zu erreichen ist vielleicht das Glück. Die sorgsame Vermeidung solch banalen Erfolgs in der Versuchsanordnung. Nicht der Präsident von Amerika, sondern ein bayerischer Fischer im Ruderboot zieht  die müden Taucher aus dem Wasser.

Immerhin eine Ahnung vom Glück schenkt Herbert Achternbusch dem Zuschauer in seinen 28 Filmen, den Theaterstücken, Romanen, Bildern. Die Ahnung, dass das Glück irgendwo dort liegen muss, wo die schnurgeraden Wege sich verlieren - oder besser: unbedingt verloren werden.

Dass es vielleicht dort beginnt, wo erwachsene Männer in blonden Perücken mit Vogelfeder, Grimassen und Schrotflinte im Kanu sitzen und Indianer spielen - genauer gesagt: Komantschen. Dort, wo Frauen auf Nilpferden durch Wiesen reiten.

Dort, wo lächerlich nur der wird, der nicht von den Kindern das Spielen erlernt. Der der Logik vertraut. Oder einer Geschichte. Wieder einem der geraden Wege. "Eine gute Geschichte ist eben nur gut erzählt und lässt sich leicht an die in Zeitungen geordneten Gehirne anschließen" antworten die Atlantikschwimmer. Und pflegen ihren eigenen Realismusbegriff: "Das ist Realismus, mit seinem Kopf zu denken, was er kann". Dass solche Sätze in den Ohren der Geradedenker nicht angenehm klingen, bekam Herbert Achternbusch stets zu spüren. Seit Jahren erhält er keinerlei öffentliche Subventionen für seine Filme.

Weshalb er seit 2002 nur noch malt - auch das mit der Schönheit der Kinder: Malereien wachsen über die Wände seines Vierkanthofes bei Zwettl, mäandern durch seine Wohnung in München.

Zu seinem 70. Geburtstag am Sonntag zeigt das Münchner Rathaus seine Bilder, und auch das Fernsehen gratuliert: Der BR widmet Herbert Achternbusch am Samstag eine Filmnacht, beginnend um 21.45 Uhr mit der Doku Achternbusch von Andreas Niessner, die ORF 2 am Sonntag, 23.05 Uhr, zeigt. Und 3sat folgt am 25. 11. mit dem Film Das letzte Loch und der Dokumentation Der Niemandslandstreicher. (Cornelia Niedermeier, DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.11.2008)

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    "Immer wieder herauslocken, was von einem sein könnte und möchte": Herbert Achternbusch. Fünf seiner Filme erscheinen nun auf DVD.

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