Frisch gefallener Schnee verdeckt Spuren von Krise

21. November 2008, 18:26
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Trotz Finanzkrise und Konjunkturabschwung hoffen Touristiker und Ski-Industrie in Österreich auf einen guten Winter

Mit allerlei Stars, Musik und viel Punsch wird ab kommendem Wochenende die Skisaison eingeläutet. Trotz Finanzkrise und Konjunkturabschwung hoffen Touristiker und Ski-Industrie in Österreich auf einen guten Winter.

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Während Ökonomen weltweit vor einer veritablen Wirtschaftskrise warnen und am Arbeitsmarkt eine Hiobsbotschaft die nächste jagt, macht Österreichs Tourismus- und Freizeitindustrie in Optimismus. Die jüngsten Schneefälle haben die Chancen erhöht, dass der Buchungsstrom nicht abrupt abreißt.

"Konjunktureinbruch und kein Schnee, das wäre für die Branche ein GAU" , sagte Zukunftsforscher Andreas Reiter dem STANDARD. Der Schnee ist also gerade rechtzeitig zu den bereits vor Monaten fixierten Ski-Openings gekommen. Der Großteil der Feierlichkeiten zum Saisonstart findet zwischen übernächstem Wochenende (28., 29. November) und rund um den Feiertag Maria Empfängnis (8. Dezember) statt.

Schneefall sorgt für gute Stimmung in Tirol

Von Vorarlberg bis in die Steiermark, von Oberösterreich bis Kärnten rechnen Branchenvertreter mit einer guten Wintersaison. In Tirol, das allein über 40 Prozent aller Gästenächtigungen Österreichs auf sich vereint, ist die Stimmung seit Einsetzen der Schneefälle besser als noch vor ein paar Wochen. Rückmeldungen aus den 36 Tourismusverbänden des Landes zeigten, dass die Vorausbuchungen auf Vorjahresniveau liegen. Mit 25,6 Millionen Nächtigungen hat Tirol im vorigen Winter eine Rekordsaison gehabt.

Anders als im Vorjahr hat man auch in der Steiermark bis jetzt "eine kontinuierlich gute Nachfrage" für Zimmer rund um Weihnachten, Silvester und Februar beobachtet. Dementsprechend positiv sind die Touristiker gestimmt. Das lange Zuwarten der Gäste im vergangenen Winter führt man auf den mangelnden Schnee in der Saison davor zurück. Die Gäste wollten auf Nummer sicher gehen.

"Nagelprobe steht erst bevor"

Der Schnee dürfte zumindest heuer kein Problem sein. Auch der Konjunktureinbruch sollte die Urlaubslaune kurzfristig nicht trüben. Vom Kreischberg, einem Eldorado für Snowboarder, wird eine besonders starke Nachfrage aus Ungarn gemeldet, für die Schladming-Dachstein-Region liegen neben österreichischen und deutschen Voranmeldungen auch besonders viele aus Tschechien vor.

Ein Wermutstropfen sei, dass die Kroaten, die immer zahlreicher zum Skilaufen nach Österreich kommen, wegen der Ferienstaffelung in der heurigen Saison bereits Anfang Jänner einchecken. Dadurch könnte es Mitte Jänner, wo bisher viele Gäste aus Kroatien unterwegs waren, ein "Loch" geben, bedauert man bei der Steiermark Werbung in Graz.

Ideen für den Sommer gesucht

Leo Bauernberger, Chef der Salzburger Land Tourismus, warnt davor, den Kopf angesichts einer in ihrer Komplexität einzigartigen Weltwirtschaftskrise in den Sand zu stecken. Die beginnende Wintersaison sei nicht das Problem. Auch wenn es da und dort Stornos von Gästen aus Russland und der Ukraine gebe, stehe die Nagelprobe erst bevor. "Wir müssen uns schleunigst etwas für kommenden Sommer überlegen, möglicherweise auch Geld umschichten", sagte Bauernberger. Gerade in Zeiten wie diesen mache eine intensivere Bewerbung des Urlaubslandes Österreich in Nahmärkten wie Deutschland Sinn. Eines ist laut Bauernberger aber auch klar: "Marketing kann schwindende Kaufkraft nicht wettmachen."

Dass Gäste heuer besonders bei Nebenausgaben sparen könnten, will auch die Chefin der Österreich Werbung, Petra Stolba, nicht ausschließen. "Schlauer sind wir hinterher" , sagte Stolba. Einbrüche bei den Gästenächtigungen befürchtet sie unter Hinweis auf gute Zahlen bei den Vorausbuchungen nicht. "Früher oder später wird die Finanz- und Konjunkturkrise aber auch die österreichische Tourismuswirtschaft treffen" , sagte Stolba. "Wir müssen uns darauf vorbereiten." Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK Austria haben 25 Prozent der Österreicher vor, im nächsten Jahr weniger Geld für den Urlaub auszugeben, 26 Prozent wollen bei ihren Restaurantausgaben sparen.  (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.11.2008)

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    Von Vorarlberg bis in die Steiermark, von Oberösterreich bis Kärnten rechnen Branchenvertreter mit einer guten Wintersaison.

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