Ski-Industrie kratzt die Kurve

21. November 2008, 17:11
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Markt erholt sich - Verluste lassen sich nicht ausbügeln - Handel bestellt zögerlich

Österreichs Ski-Industrielle blicken gebannt gen Himmel. Die ersten Schneeflocken wecken die Hoffnung, dass sich die Sporthändler doch noch dafür erwärmen lassen, die bisher zögerlichen Bestellungen durch Nachorder aufzufetten. Damit würde nämlich dem einen oder anderen Brettl-Erzeuger im letzten Abdruck der Sprung aus der Verlustzone gelingen.

Überkapazitäten und Schneemangel

Die Branche hat durchwachsene Zeiten hinter sich. Überkapazitäten ließen Preise schmelzen, dann blieb auch noch der Schnee aus. Die Folge: Der Markt brach im Vorjahr um bis zu 30 Prozent ein, und die Industrie fuhr die Kapazitäten rasant zurück: Werke wurden geschlossen oder verlagert, Mitarbeiter abgebaut und kurz gearbeitet.

Auf das Rekordniveau 2006, als der Carving-Ski einen Absatzboom auslöste, werde die Industrie nicht so schnell zurückkommen, sagt Atomic-Chef Wolfgang Mayrhofer. "Die Konsolidierung geht weiter, das bleibt keinem erspart." Die Talsohle sei jedoch erreicht, "es geht heuer wieder leicht bergauf."

Atomic hat sein Salomon-Werk in Frankreich geschlossen und die Produktion in Rumänien auf Skibindungen reduziert. Seit November gehört aber eine kleine Fabrik für Kinder- und Langlaufski in Rumänien zur Gruppe. Der Standort Altenmarkt wird im Zuge der Umstrukturierung des Amer-Konzerns um gut 80 auf 880 Mitarbeiter aufgestockt. Vor sieben Jahren, in der Blütezeit der Branche, beschäftigte Altenmarkt fast 1000 Mitarbeiter.

Urlaube werden kürzer

Ob Atomic heuer ein ausgeglichenes Ergebnis schaffe, hänge am Dezember, sagt Mayrhofer. Bestelle der Handel nach, könnte das ein Sahnehäubchen von bis zu 60.000 zusätzlich verkauften Skiern bringen. Gut unterwegs sei sein Konzern in Russland. In China klappe es mit dem Verkauf noch nicht so gut. Aber immerhin gebe es dort bereits einige Dutzend Verleihstationen. Die Sache mit dem wachsenden Brettlverleih bereitet der Industrie allerdings Kopfzerbrechen. Urlaube werden kürzer, Gebühren für Übergepäck im Flugzeug höher, und der Gedanke, sich die neueste Ausrüstung zu borgen, statt in eigene zu investieren, die altert, ist reizvoll. Immerhin rüstete der Verleiher nun regelmäßig kräftig auf, tröstet Head-Chef Klaus Hotter.

Er erwartet heuer eine passable Saison. Für Head gebe es ein zweistelliges Umsatzplus, die Verluste von 2007 ließen sich damit freilich nicht ausbügeln. Die Verlagerung von Kapazität von Vorarlberg nach Budweis verlaufe wie geplant.

Hoffen auf den Winter

Blizzard-Chef Helmut Exenberger sieht sein Werk in Mittersill gut ausgelastet und 25 Prozent mehr Umsatz. Die 260 Mitarbeiter könne man halten, auch wenn Teile der Fertigung in die Ukraine wandern.

Bricht nicht bald der Winter ein, wird es schwierig, meint Fritz Aichinger, Wiener Handelsobmann und Sportartikelhändler. Die Lager seien vom Vorjahr voll, die Rabattschlachten nicht zu überbieten. Dass sich für den Handel heuer ein reales Plus ausgeht, bezweifelt er. Die bisherigen Verluste könne der Dezember halt nicht wettmachen.  (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.11.2008)

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