Text für Schauspieler

21. November 2008, 17:04
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In Echtzeit übertrug am Donnerstagabend der österreichische Wetterkanal TW1, der üblicherweise morgens mit Bildern von dichtem Nebel über den Hohen Tauern erfreut, eine nicht weniger dunstige Angelegenheit: Die Nestroy-Gala

In Echtzeit übertrug am Donnerstagabend der österreichische Wetterkanal TW1, der üblicherweise morgens mit Bildern von dichtem Nebel über den Hohen Tauern erfreut, eine nicht weniger dunstige Angelegenheit: Die Nestroy-Gala aus dem Ronacher - eine höchst befremdliche Vorstellung der Selbst- und Fehlinszenierung.

Die "langweilige Theaterweihnachtsfeier", von der Franzobel in seiner Rede geschrieben hätte, war nicht nur langweilig, sondern armselig. Geschrieben hätte - denn die Rede, die wie jedes Jahr als Auftragswerk in eines Dichters Verantwortung gelegt wurde, hatte nicht gefallen. Es ist nicht neu, dass die Nestroy-Reden über die Autoren hinweg umgeschrieben und zerpflückt werden.

Der Moderatorin des Abends (Burgschauspielerin Maria Happel), gefiel der Text "verständlicherweise" nicht. Sie rupfte nur wenige Textstückchen heraus und trug diese, mit dubiosen Eigeneinfällen vermischt, vor. Ein Tiefpunkt der diesjährigen Gala.

Bei unangenehm irritierenden bis nachgerade peinlichen Redeauftritten der auf die Bühne gebetenen Nachwuchstalente wurde allerdings rasch eine deutliche Abneigung nicht nur gegenüber vorbereiteten, sondern auch durchdachten Texten spürbar. (ih/DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.11.2008)

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