Telekom-Mitarbeiter fühlen sich ungebraucht - Flucht in Selbsthilfe

21. November 2008, 14:35
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Telekom Austria: Wir lassen kein Mobbing zu - Eigene Hotline für unzufriedene Mitarbeiter

Am 30. November ist es für Wilhelm Haarlander soweit - dann wird er "passiviert". Sein Arbeitgeber, die börsenotierte Telekom Austria, braucht seine Dienste nicht mehr und schickt ihn bei gekürztem Lohn ins Ausgedinge. Sein Job wird von anderen Mitarbeitern übernommen. Doch Haarlander hat sich nicht seinem Schicksal ergeben, sondern eine Selbsthilfegruppe ins leben gerufen. Gemeinsam mit 13 anderen Telekom-Beschäftigten will der 56-jährige wissen, warum er nicht mehr benötigt wird.

430 Millionen Gewinn

"Das versteht keiner, da wird 430 Millionen Euro Gewinn gemacht und wir müssen zu Hause sitzen und uns vor unseren Nachbarn schämen", so Haarlander im Gespräch mit der APA. Er fordert vom Vorstand mehr Kreativität bei den Produkten. "Warum wurde nicht mehr in den Breitbandausbau investiert, warum gab es nicht schon viel früher ein Kombipaket und warum kümmert man sich nicht um Kurzarbeit und Umschulungen", fragt sich der Pinzgauer. Er würde sich wünschen, dass die Kreativität der Kollegen genutzt werde und deren Vorschläge in neue Angebote einfließen würden.

Er wisse von zahlreichen anderen Kollegen, die sich ebenfalls in Selbsthilfegruppen zusammen gefunden hätten. Sie wüssten nicht wie es beruflich weiter geht und machten sich Sorgen um ihre Pension, da nur die wenigsten - im Vertrauen auf ihre Beamtenpension - privat zusätzlich vorgesorgt hätten. Außerdem würden sie unter einem starken psychischen Druck leiden, fühlten sich doch die meisten mit dem Unternehmen "verheiratet", was alles noch schlimmer mache.

"Wir lassen sicher kein Mobbing zu"

Bei der Telekom weist man die Vorwürfe zurück. "Wir lassen sicher kein Mobbing zu", so Sprecher Martin Bredl. jeder Mitarbeiter, der mit der Situation unzufrieden ist könne eine eigene Hotline wählen und professionelle Hilfe erwarten. So arbeite die Telekom mit dem Wiener Kriseninterventionsteam zusammen und alle Maßnahmen würden mit Univ.Prof.Michael Kunze vom Institut für Sozialmedizin abgestimmt. (APA)

 

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