Erste Argumente für die Medizin-Quoten

21. November 2008, 14:10
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Österreich übergab Monitoringbericht an EU und untermauert die Notwendigkeit der Quotenregelung mit Zahlen und Daten

Wien - Österreich hat den ersten Monitoringbericht an die EU-Kommission übergeben, mit dem durch Statistiken die Argumentation für die sogenannte Quotenregelung im Medizinstudium untermauert werden soll. Zudem wurde die Kommission über die neue Rechtslage nach der kurz vor der Nationalratswahl beschlossenen Novelle zum Universitätsgesetz (UG) informiert, teilte das Wissenschaftsministerium am Freitag mit. Eine Delegation des Ressorts wird Mitte Dezember die Zahlen in Brüssel erläutern.

Fünfjähriges Moratorium

Nach der Aufhebung der Uni-Zugangsregelungen durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) 20005 und dem darauffolgenden Ansturm deutscher Studenten vor allem im Bereich Medizin hat Österreich 2006 in den Fächern Human- und Zahnmedizin eine Quotenregelung eingeführt. Demnach sind 75 Prozent der Studienplätze für Inhaber österreichischer Reifezeugnisse reserviert, 20 Prozent für EU-Bürger und 5 Prozent für Nicht-EU-Bürger. Die EU, die üblicherweise keine Quoten akzeptiert, konnte mit dem Argument überzeugt werden, dass ohne eine derartige Regelung mittelfristig massive Probleme in der Gesundheitsversorgung auftreten könnten, weil aufgrund starker Abwanderungstendenzen ausländischer Absolventen ab 2016 ein Ärztemangel drohe.

Die Kommission vereinbarte deshalb mit Österreich ein fünfjähriges Moratorium, in dem die Quote akzeptiert wird. Bis 2012 hat Österreich damit Zeit, seine Argumentation durch statistische Begleitzahlen weiter zu untermauern. Den ersten der künftig jährlich geplanten Berichte hat man nun übergeben.

Mehr Österreicher unter Turnusärzten

In dem 50-seitigen Konvolut sind jeweils für Zahn- und Humanmedizin und aufgeschlüsselt nach Nationalität u.a. die Zahl der Teilnehmer am Zulassungstest, der Studienanfänger, der Studenten und der Absolventen sowie Daten über Ärzte in Turnusausbildung und praktizierende Ärzte und Prognosen zum Ärztebedarf enthalten. So zeigte sich laut Wissenschaftsministerium etwa die steuernde Wirkung der Quotenregelung anhand des Rückgangs der Gesamtzahl der Studierenden - nach dem exorbitanten Anstieg im Jahr 2005 - durch die Einführung eines Aufnahmeverfahrens. Bei den Turnusärzten sei - bei steigender Absolutzahl (von 5.607 im Jahr 2000 auf 6.498 im Jahr 2007) - der Anteil der Österreicher leicht gestiegen, jener der Ausländer zurück gegangen. Nach Interpretation des Wissenschaftsministeriums würden die im Bericht genannten Zahlen die Argumente der Österreicher für die Quotenregelung unterstützen.

Fraglich ist dies allerdings bei den neuen gesetzlichen Regelungen, wie der vom Nationalrat beschlossene Ausbau der Anfängerplätze in Medizin. Experten meinten bereits kurz nach dem Beschluss, dass damit der Rechtfertigung der Medizin-Quote die Grundlage entzogen werde. (APA)

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    Minister Johannes Hahn übergab im Mai 2007 dem EU-Bildungskommissar Jan Figel ein erstes Antwortpaket mit Argumenten für die Quotenregelung. Jetzt folgen die Fakten.

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