Ex-Arbeitskollegen entführt

21. November 2008, 19:29
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Ihre nichtausbezahlten Löhne wollten vier Männer in Wien mit Gewalt eintreiben: Sie entführten zwei ihrer ehemaligen Kollegen von einer Baustelle - Ihre Lösegeldforderung an den Chef der Baufirma: 3000 Euro

Wien - Um ihre ausstehenden Löhne einzutreiben, griffen vier Gelegenheitsarbeiter in Wien zu drastischen Maßnahmen und zu einem Messer. Weil ihr früherer Chef, der Besitzer einer kleinen Baufirma, ihnen das Geld nicht geben wollte, entführten die Männer Mittwochvormittag zwei ihrer ehemaligen Kollegen - mitten auf der Döblinger Hauptstraße.

"Sie haben die beiden geschlagen und mit einem Messer bedroht", schilderte Gerhard Winkler von der Kriminaldirektion 1 am Freitag die Entführung am helllichten Tag. Im Anschluss mussten die Geiseln, ein 52-jähriger Pole und ein 55-jähriger Serbe, gemeinsam mit drei der Entführer im eigenen Auto in die Troststraße in Wien-Favoriten fahren. Dort wartete bereits Dschingis I., ein 32-jähriger Tschetschene, in einer 20-Quadratmeter-Wohnung auf sie.

Die beiden Entführungsopfer wurden mit dem Umbringen bedroht und schwer misshandelt. Winkler: "Einer der Männer hat massive Verletzungen im Gesicht erlitten, der andere im Bereich des Rückens." Danach mussten sie ihren Chef anrufen und ihm sagen, dass ihre Entführer Geld wollten, ansonsten würden sie getötet. Die Höhe der Forderung: 3000 Euro.

Der Firmeninhaber, ein gebürtiger Pole, ging zum Schein auf die Forderungen ein, alarmierte nach dem Telefongespräch jedoch die Polizei.

Als die beiden mutmaßlichen Haupttäter Magomed B. und Aslan S. (beide 26 Jahre alt und aus dem russischen Gebiet Tschetschenien stammend) am selben Tag um 17 Uhr in die Kettenbrückengasse zum vereinbarten Übergabeort kamen, wartete schon die Spezialeinheit Cobra auf sie.

B. und S. mussten dann nicht lange überredet werden, um die Exekutive in die Wohnung im 10. Bezirk zu führen. Dort wurden die beiden anderen mutmaßlichen Täter, Dschingis I. und der gebürtige Georgier Aslambek I. (26) verhaftet. Den vier Männern drohen wegen erpresserischer Entführung bis zu 20 Jahre Haft.

"Die zwei Entführungsopfer hatten wirkliche Todesangst", sagte Gerhard Winkler, "sie haben gezittert wie Espenlaub, als wir in die Wohnung kamen und sie befreiten." Die mutmaßlichen Entführer, die im Landesgericht in Untersuchungshaft sitzen, seien größtenteils geständig, würden aber die Misshandlungen und die Umstände der Entführung herunterspielen, schilderte Winkler am Freitag vor Journalisten.

Der Besitzer der Baufirma hat übrigens gar nicht abgestritten, dass er den vier noch 1500 Euro Lohn schuldet. Er warte noch immer auf Geld von anderen Firmen, deshalb könne er seine Arbeiter nicht entlohnen, so seine Begründung. Ihm droht nun selbst ein Verfahren. Er hatte die vier Asylwerber nämlich illegal beschäftigt. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD Printausgabe, 21./22.11.2008)

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    Mit diesem Messer wurden die Geiseln bedroht.

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