MIP-Board kündigt Meinl-Verträge

21. November 2008, 17:51
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Mit Karl-Heinz Grasser, der ein Drittel der externen Managementgesellschaft hält, arbeitet man vorerst noch zusammen

Wien - "Gewinnen ist wie verlieren, nur umgekehrt. Der österreichische Kapitalmarkt hat gewonnen." Mit diesen Worten eröffnete Wolfgang Vilsmeier seine erste Pressekonferenz in der Funktion als neuer Chairman von Meinl International Power (MIP). Wie berichtet wurde das ehemalige MIP-Direktorium rund um Ex-Verbund-Chef Hans Haider vor einer Woche abgewählt.
Was man vorgefunden hat: Eine sehr gute Dokumentation der Projekte und Bilanzzahlen. Für die bisher 13 Projekte der MIP gebe es zwar Finanzierungszusagen, "es ist aber noch kein Vertrag zur Finanzierung unterschrieben" , sagt Vilsmeier. Operativ sind derzeit nur zwei Windparks, der Rest sind reine Entwicklungsprojekte.

Der Auftrag der neuen Direktoren: Die Verluste, die Anleger durch das sinken des Zertifikatekurses erlitten haben, "möglichst schnell aufzuholen" und "die Werthaltigkeit der Investments" zu erhöhen.

Ausschüttung wird geprüft

Rund 400 Mio. Euro an liquiden Mitteln hat das Unternehmen. Was man damit machen will, werde in den nächsten Wochen geprüft. Bei der Hauptversammlung vergangenen Freitag hat sich das MIP-Board drei Möglichkeiten genehmigen lassen: Die Ausschüttung einer Zwischendividende, eine Kapitalrückführung oder den Rückkauf von Zertifikaten. Die Tendenz geht derzeit aber klar in Richtung Projektentwicklung und nicht in die vorschnelle Liquidierung des Unternehmens, lässt Vilsmeier durchblicken. Nach einer Woche im Amt sei es auch noch zu früh, darüber zu entscheiden. Ein "abrupter Verkauf von Projekten zu einem suboptimalen Zeitpunkt" komme jedenfalls nicht in Frage.

Entschieden wurde allerdings, dass der Lizenzvertrag für die Benutzung des Namens Meinl und der Vertrag für das Market Making durch die Meinl Bank gekündigt werden. Wie man mit der externen Managementgesellschaft MPM (sie gehört zu zwei Dritteln der Meinl Bank, ein Drittel hält Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser) verfahren wird, ist ebenfalls noch unklar. "Im Moment arbeiten wir sachlich zusammen, der Datenaustausch mit Herrn Grasser funktioniert" , sagte Vilsmeier. Der Rest werde sich zeigen.

Gezeigt habe sich bisher, dass die Meinl Bank kein guter Kooperationspartner sei. Sie verweigert laut Vilsmeier die Herausgabe von MIP-Geldern in der Höhe von 2,5 Mio. Euro sowie der 2,1 Mio. MIP-Zertifikate.

Sicherungsanspruch

Die Meinl Bankl begründete diesen Schritt in einem Statement mit einem "rechtmäßigen Sicherungsanspruch" . Das Board habe bereits angekündigt, bestehende Verträge mit der Meinl Bank nicht erfüllen zu wollen und hätte dies bei Airports International bereits getan. Die Meinl Bank verfüge daher über einen Sicherungsanspruch, weil sie davon ausgehen müsse, dass die Gesellschaft unter der Leitung des neuen Boards die bestehenden Verträge nicht ordnungsgemäß erfüllen wird. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.11.2008)

 

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