UNO berichtet von Gewalttaten in Flüchtlingslager

21. November 2008, 21:39
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Rotes Kreuz: Ständiges Aufflammen von Kampfhandlungen - UNO-Mission fordert schnelle Verstärkung

Goma/Wien - Bewaffnete haben am Freitag Familien in einem Flüchtlingslager im kongolesischen Dorf Kibati überfallen und Bewohner aus ihren Hütten vertrieben. Eine 20-jährige Frau wurde nach UNO-Angaben getötet, außerdem kam es zu Plünderungen. Zu welcher Konfliktpartei die Bewaffneten gehörten, sagte UNO-Sprecher William Spindler nicht. "Wir befürchten, dass die Zivilbevölkerung, die sich bereits in einer dramatischen und verzweifelten humanitären Lage befindet, ins Kreuzfeuer geraten könnte, sollten die Kämpfe in der Gegend wieder aufleben", sagte er in Genf.

Auch das Rote Kreuz zeichnete ein düsteres Bild der humanitären Lage im Flüchtlingslager bei Goma. Durch das ständige Aufflammen neuer Kampfhandlungen müssten die Hilfsmaßnahmen immer wieder unterbrochen werden. Selbst in unmittelbarer Nähe zu Flüchtlingslagern komme es zu Kampfhandlungen. Außerdem seien "hunderte Kinder" auf der Flucht von ihren Eltern getrennt worden, berichtete Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.

"Lange auf Hoffnungsschimmer gewartet"

Die geplante Entsendung von tausenden weiteren Blauhelmsoldaten in den Kongo sollte nach dem Wunsch der dortigen UNO-Mission sehr zügig vonstattengehen. Er hoffe auf Verstärkung binnen weniger Wochen, erklärte ein Sprecher der Friedenstruppe, Oberst Jean-Paul Dietrich, am Freitag in Goma. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine rasche Aufstockung der UNO-Truppen. "Die Kongolesen haben lange auf diesen kleinen Hoffnungsschimmer gewartet, jetzt brauchen sie diese Truppen aber schnell in ihrem Land", hieß es am Freitag in einer Mitteilung in Kinshasa.

Der Weltsicherheitsrat hatte am Donnerstag die Bereitstellung von 3.100 zusätzlichen Soldaten für das zentralafrikanische Land beschlossen. Derzeit umfasst die Friedenstruppe 17.000 Mann. Welche Länder sich beteiligen würden, blieb indessen weiter unklar. Erwartet wurden mögliche Entsendungen aus Kenia, Angola und dem Senegal.

Der Präsident der Demokratischen Republik Kongo, Josef Kabila, traf in Luanda mit dem Staatschef von Angola, Jose Eduardo dos Santos, zusammen. In den vergangenen Wochen hatte es Informationen über angolanische Soldaten in der kongolesischen Unruheprovinz Nord-Kivu gegeben. Die Regierungen in Kinshasa und Luanda sowie die Vereinten Nationen wiesen entsprechende Angaben entschieden zurück.

Kabila und der Präsident der benachbarten Republik Kongo, Denis Sassou-Nguesso forderten unterdessen die Entsendung zusätzlicher UNO-Soldaten. Auch die auf 20.000 Mann aufgestockte Truppe werde die Kämpfe nicht beenden könnten, erklärte Sassou-Nguesso am Freitag nach einem Treffen mit Kabila in Brazzaville. Die anhaltenden Kämpfe im Osten des Kongos haben schon rund 250.000 Menschen in die Flucht getrieben.

Frankreich forderte am Freitag ein robusteres Mandat für die Kongo-Mission. "Die Truppen müssen zum Einsatz von Waffen autorisiert werden, um die Zivilbevölkerung zu schützen", sagte Außenamtssprecher Eric Chevallier. Auch vorbeugender Waffengebrauch müsse möglich werden. Die Einheiten mit dem weitestgehendsten Mandat sollten in besonders gefährlichen Regionen stationiert werden. Laut Chevallier wird die französische Position von mehreren EU-Mitgliedern geteilt. (APA/AP)

 

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