Höchststrafe gegen Jürgen Pinter

21. November 2008, 11:13
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Sportgericht verhängte vier Jahre Sperre gegen Langläufer wegen Besitzes einer verbotenen Methode und Komplizenschaft in Turin 2006

Lausanne - Das österreichische Skilanglauf-Team hat als Folge des Doping-Skandals bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin einen vierten Athleten verloren. Der Kärntner Jürgen Pinter erhielt nach einem am Freitag veröffentlichten Urteil des Obersten Sportgerichtshofs (CAS) in Lausanne wegen des Besitzes einer verbotenen Methode sowie Komplizenschaft eine Sperre für vier Jahre, die rückwirkend ab 1. März 2006 gilt, und damit die Höchststrafe.

Nachdem Martin Tauber, Johannes Eder (beide ab 22.11.2007) und Roland Diethart (ab 19.2.2006) vom Ski-Weltverband (FIS) für jeweils zwei Jahre gesperrt worden waren, wurde nun auch der von der FIS nicht sanktionierte Pinter bestraft. Das Internationale Olympische Komitee, das das genannte Quartett lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen hat, und die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatten gegen den Freispruch des 29-Jährigen Berufung vor dem CAS eingelegt und eine vierjährige Sperre verlangt.

Von der FIS freigesprochen

Diesem Einspruch gab das Sportgericht als höchste Instanz nun statt und sperrte mit Pinter ausgerechnet jenen der vier ÖSV-Langläufer, der zuvor als einziger von der FIS freigesprochen worden war, gemäß dem FIS-Anti-Doping-Reglement für gleich vier Jahre. "Für mich gibt's nur eines, zusammenpacken", sagte der Zeitsoldat und dreifache Familienvater Pinter und brach in Tränen aus. Er ist der erste FIS-Athlet, der für vier Jahre gesperrt wurde. Die FIS wird das Urteil akzeptieren, wie Generalsekretärin Sara Lewis bestätigte. Alle Ergebnisse Pinters seit 2006 werden gestrichen.

Pinter fiel aus allen Wolken, nachdem er die Entscheidung erfahren hatte. "Ich verstehe das überhaupt nicht. Es wäre besser gewesen, wenn ich etwas getan hätte, dann wüsste ich wenigstens, warum ich gesperrt werde", erklärte der Latschacher. Für ihn wären zur Anfechtung der Strafe nur noch der Gang vor den Schweizer Bundesgerichtshof und vor den Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg möglich. "Aber das kostet nur Nerven und Geld", erklärte Pinter, der erst kürzlich ein neu gebautes Haus bezogen hat.

"Als Jurist stellt es einem die Haare auf"

Pinters Anwalt Günther Riess würde aus prinzipiellen Gründen gerne alle Rechtsmittel ausschöpfen. "Als Jurist stellt es einem die Haare auf, wie auf hypothetische Annahmen eine derart drakonische Strafe verhängt wird", sagte der Innsbrucker Rechtsanwalt.

Das Sportgericht sei dem Antrag der Prüfung des Inhalts der bei Pinter gefundenen Spritze - nach seinen Angaben handelte es sich um ein Vitaminpräparat - nicht nachgekommen. "Dann wäre ihre Argumentation zusammengebrochen", sagte Riess. Dass Pinter zudem der Besitz einer verbotenen Methode eines anderen Athleten als Mittäterschaft angerechnet werde, sei unverhältnismäßig. "Kein österreichisches Gericht würde das akzeptieren", erklärte Riess.

Düstere Aussichten

ÖSV-Langlauf-Cheftrainer Bernd Raupach sieht sich nach dem Verlust der Nummer zwei im Team der Distanzläufer hinter Christian Hoffmann schweren Zeiten gegenüber. "Es ist uns nahezu unmöglich, bei der WM ein schlagkräftiges Team an den Start zu bringen", erklärte der Deutsche. "Es schaut so aus, als ob man alle Athleten, die in Turin waren, blockieren will. Das geht weit darüber hinaus, was angemessen ist." Die Jungen seien noch nicht reif für ständige Einsätze im Weltcup ("Das wäre unverantwortlich, sie da zu verheizen"), zwischen Hoffmann und Manuel Hirner als stärkstem nachdrängenden Läufer liegen zehn Jahre Altersunterschied.(APA)

 

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    Jürgen Pinter

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