Piraten drohen mit Widerstand bei Befreiungsversuch für Supertanker

22. November 2008, 10:55
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"Ich hoffe, der Eigner ist klug" - NATO plant weiteren Einsatz gegen Piratengefahr im Golf von Aden - Eng mit EU-Mission verknüpft

Mogadischu - Die Entführer des Supertankers "Sirius Star" haben für den Fall eines militärischen Vorgehens mit erbittertem Widerstand gedroht. "Ich hoffe, der Eigner des Tankers ist klug und lässt keine militärischen Schritte zu, denn das wäre eine Katastrophe für alle", sagte einer der Piraten am Samstag. Er selbst sei im Küstenort Harardhere damit beschäftigt, die Milizen zum Schutz der Region zu organisieren.

Der saudi-arabische Supertanker liegt mit 25 Mann Besatzung an Bord vor Haradhere vor Anker. Bewohner des Gebiets berichteten, die Schiffsentführer seien von mindestens zehn schwer bewaffneten Männern verstärkt worden.

Lösegeld-Forderung

Der Pirat betonte, die Entführer der "Sirius Star" wollten das Schiff nicht zerstören und der Besatzung nicht schaden, sondern Lösegeld bekommen. Die Piraten fordern ein Lösegeld von 25 Millionen Dollar (rund 20 Millionen Euro), sie hatten den Schiffseigern am Donnerstag eine Frist von zehn Tagen gesetzt. die "Sirius Star" hat Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar an Bord. Harardhere liegt etwa 300 Kilometer nördlich der somalischen Hauptstadt Mogadischu in der halbautonomen Region Puntland.

NATO-Einsatz

Die "Süddeutschen Zeitung" hatte berichtet, dass die NATO einen neuen Anti-Piraten-Einsatz vor Somalia plane. Stäbe des Bündnisses arbeiteten seit kurzem an Plänen für einen Einsatz im gesamten Golf von Aden, der mit der EU-Mission "Atalanta" eng verknüpft werden solle, berichtete die Zeitung am Freitag. "Wir wollen damit zeigen, was Lastenteilung zwischen NATO und EU bedeutet", sagte ein namentlich nicht genannter hoher Stabsoffizier.

Dem Bericht zufolge sollen die bisherigen Aktivitäten der NATO im Rahmen der Operation Allied Provider ausgedehnt werden. Deutschland habe dabei im NATO-Rat eine Verschärfung der Einsatzregeln beantragt. Danach sollen verdächtige Schiffe anders als bisher auch gegen den Willen des Kapitäns betreten und durchsucht werden dürfen. Verdächtige Waren sowie Waffen sollen beschlagnahmt werden dürfen. Notfalls sollen die NATO-Soldaten auch Gewalt anwenden dürfen.

Im Rahmen des Einsatzes Allied Provider sind derzeit vier Kriegsschiffe aus Großbritannien, Griechenland, Italien und der Türkei vor Somalia im Einsatz, um Versorgungsschiffe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen zu eskortieren. Diese Aufgabe soll im Dezember die Europäische Union mit ihrer Mission "Atalanta" übernehmen. Bei der NATO richtet man sich laut "SZ" aber darauf ein, dass dieser Zeitplan wegen der rechtlichen Probleme in einigen EU-Staaten, darunter Deutschland, nicht einzuhalten ist. Bei der NATO gehe man deshalb davon aus, dass das Mandat des Bündnisses verlängert werde.

Jung fordert Operationsplan

Der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Jung hat bei einem Treffen mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon weitere Hilfe Deutschlands beim Kampf gegen die Piraten vor Somalias Küste versprochen. Für den Umgang mit Piraten brauche die internationale Gemeinschaft jedoch einen klaren Operationsplan, betonte Jung am Donnerstag in New York nach seinem Treffen vor Journalisten. Zunächst wolle man eine nationale Lösung suchen.

"Wo deutsche Interessen betroffen sind, werden wir dafür sorgen, dass auch eine Verurteilung (der Piraten) stattfindet", so der Verteidigungsminister. "Ich würde mir wünschen, dass wir auch eine internationale Lösung finden, um dieser Herausforderung wirkungsvoll entgegen treten zu können", sagte Jung weiter. Im Rahmen des europäischen Mandats werde sich die deutsche Regierung mit einer Fregatte im Kampf gegen die Piraten beteiligen. Für diese Mission benötige man noch die Zustimmung des Bundestages. (APA/dpa)

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