Prozess zum Mord an Anna Politkowskaja vertagt

20. November 2008, 20:06
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richter nennt Terminschwierigkeiten eines Anwalts der Verteidigung als Grund - Geschworener weist Verantwortung für Ausschluss der Öffentlichkeit zurück

Moskau - Die Gerichtsverhandlung zum Mord an Anna Politkowskaja ist am Donnerstag bis Anfang Dezember vertagt worden. Als Grund nannte Richter Jewgeni Zubow Terminschwierigkeiten eines Anwalts der Verteidigung. Die Verteidigung wies dies jedoch zurück. Es gebe keine Terminkonflikte und damit keinen Grund, den Prozess um zehn Tage zu verschieben, sagte Anwalt Murad Musajew. Die Entscheidung ließ erneut Zweifel an Transparenz und Fairness des Prozesses vor dem Moskauer Militärbezirksgericht aufkommen.

Einen Tag nachdem das Gericht die Öffentlichkeit unter Hinweis auf die Geschworenen von dem Prozess ausgeschlossen hatte, meldete sich am Donnerstag ein Jury-Mitglied zu Wort, das diese Begründung zurückwies. Die Geschworenen hätten den Ausschluss der Öffentlichkeit nicht verlangt, sagte Jewgeni Kolisow Radio Echo Moskau. "Wir sind nicht gegen die Presse. Wir wollen sehen, wie es sich entwickelt. Wenn sie uns stören, dann würden wir ihren Ausschluss verlangen", sagte Kolisow. Das Gericht hatte noch am Montag beschlossen, den Prozess öffentlich zu führen. Dies war sowohl von Kollegen der ermordeten Journalistin als auch von den drei Angeklagten verlangt worden.

Politkowskaja wurde am 7. Oktober 2006 vor ihrem Apartmenthaus in Moskau erschossen. Sie berichtete über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien und galt als dedizierte Kreml-Kritikerin. Der mutmaßliche Schütze ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft ins Ausland geflohen. Vor Gericht müssen sich seine zwei Brüder Ibrahim und Jabrail Machmudow sowie der ehemalige Moskauer Polizist Sergej Chajikurbanow wegen Mordes verantworten. Die Verdächtigen haben ihre Schuld zurückgewiesen. (APA/AP)

 

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