Verhasst und verbunden

20. November 2008, 19:45
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Blaue, Grüne und Orange tauschen längst nicht mehr nur Gemeinheiten aus

Wien - "Er ist ein klasser, hemdsärmeliger Bursch" : FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky schwärmt nicht von einem Parteifreund, sondern - Sie lesen richtig - von einem Grünen. Der Abgeordnete Werner Kogler hat es ihm angetan: "Mit ihm kann man etwas ausmachen."
Blau und Grün auf Kuschelkurs? "Ich bin da ein Zwitterwesen" , erklärt Kogler. Einerseits könnten die Grünen gar nicht anders, als der FPÖ - wie bei der Wahl Martin Grafs zum Dritten Nationalratspräsidenten - politisch einzuschenken; was die Beziehungen auch temporär verschlechterte. Andererseits müsste die Opposition aber kooperieren, um die ohnehin begrenzten Möglichkeiten im Kampf gegen den gemeinsamen Gegner, die Regierung, auszuschöpfen.

Kogler, der dem wichtigen Rechnungshofausschuss vorsitzt, spielt den Mittelsmann, weil er weniger Berührungsängste hat als andere Kollegen; Parteichefin Eva Glawischnig hingegen spricht mit Strache und Co nur dann persönlich, wenn sich's nicht vermeiden lässt. Wo die Grenze für Kontakt mit den Blauen liege? "Wir bilden keine Regierung und wählen sie nicht in repräsentative Ämter" , sagt Kogler: "Bei der Kooperation geht es nur darum, Mehrheiten herzustellen."

Das Verhältnis zu den Konkurrenten auf der Oppositionsbank wird auch von Seiten der Orangen als sehr gut beschrieben. "Aus meiner Sicht ist das Verhältnis zu beiden anderen Parteien gleich gut" , sagt BZÖ-Klubchef Josef Bucher. Natürlich sei die Konkurrenz hin zur FPÖ größer, doch habe die letzte Nationalratswahl deutlich gezeigt, dass man in unterschiedlichen Wählersegmenten fische. Bucher: "Wir haben eher ÖVPler angesprochen, die FPÖ punktete auf Seiten der Linken" .

Das sieht FPÖ-Mann Vilimsky ähnlich. Seitdem Peter Westenthaler als Klubchef abgetreten sei, ginge das BZÖ nicht mehr gezielt auf die blaue Klientel los. Die alten, von der Parteispaltung her rührenden Animositäten hätten sich ebenfalls "halbwegs begradigt" , sagt Vilimsky: "Auch der tragische Tod Jörg Haiders hat da etwas verändert." Insgesamt, meint der freiheitliche Generalsekretär, gäbe es zwischen den ungleichen Oppositionsparteien "mehr Allianzen, als man als Außenstehender glauben möchte. Wirklich verbrannte Erde gibt es im Parlament nur zwischen Roten und Schwarzen" . (jo, pm/DER STANDARD-Printausgabe, 21. November 2008)

 

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