Max Droschl: "Wir verramschen nichts"

20. November 2008, 18:37
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Freunde aus dem Forum Stadtpark brauchten einen Verleger - Vor 30 Jahren gründete der damalige Galerist einen kleinen Verlag in Graz

Über 500 Bücher später leitet seine Tochter Annette Knoch den Verlag.

Graz/Wien - Das oft gezeichnete Bild des Verlagsbüros, wo Manuskripte gleich vom Kuvert in den Papierkorb wandern, kann Annette Knoch, seit fünf Jahren Leiterin des Literaturverlags Droschl, nicht bestätigen. "Nein, es wird wirklich alles gelesen, und es kriegt jeder eine Antwort", erzählt sie dem Standard. In den Papierkorb wandern nur E-Mails, ungelesen. Denn man bekomme schon per Post rund 800 Einsendungen im Jahr.

Genau 532 Werke schafften es in den letzten 30 Jahren, seit Knochs Vater Max Droschl den Verlag in Graz gründete, auch publiziert zu werden. Die ersten waren noch Kunstbücher: ISDN-Nummer eins war Striche vom 1984 verstorbenen Maler Gottfried Fabian. Warum Droschl, der 1978 schon eine Galerie und eine Buchhandlung betrieb, sich für die Literatur entschieden hat? "Das hing sehr stark mit seinem Freundeskreis im Forum Stadtpark zusammen", weiß die Tochter. Jene Autoren, die Alfred Kolleritsch in seiner Literaturzeitschrift manuskripte bekannt machte, brauchten einen Verleger: "Das hat in Graz gefehlt."

Einige der 201 Autoren, etwa Gerhard Roth oder Werner Schwab, "die sich erst später in die Literaturgeschichte eingeschrieben haben", tauchen ganz früh im Sortiment von Droschl auf. Bei Schwab hat das bis heute auch lukrative Folgen, denn während Anfang der 90er niemand an den Taschenbuchrechten für Schwabs Fäkaliendramen interessiert war, sind sie heute Pflichtlektüren an Schulen und Unis.

Aber auch sonst hat man alle Bücher immer lagernd. Es gibt keinen Abverkauf von Literatur. "Unsere Maxime heißt: Wir verramschen nichts!", erklärt Knoch. Das "Pickerl, dass wir nur experimentelle, österreichische Autoren" verlegen, habe man abgelegt. Auch seit man erfolgreich Übersetzungen publiziere. Heuer landete man mit Treffen sich zwei der Deutschen Iris Hanika einen Verkaufshit. Nachdem der Roman im Oktober auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gewandert war, verkaufte man 20.000 Stück. "So etwas ist großartig, aber nie kalkulierbar."

Unkalkulierbar war es für die heute 40-Jährige auch, dass sie so glücklich in diesem "wunderschönen, abwechslungsreichen Beruf" sein werde. Sie wuchs zwar in einem Elternhaus auf, wo sich Günther Grass, Wolfgang Bauer und Alfred Kolleritsch die Klinke in die Hand gaben, aber: "Meine Geschwister sind in derselben Atmosphäre aufgewachsen." Doch aus denen wurde "ein Maschinenbauer, ein Jurist und eine Architektin".

Der Vater ist auch im Ruhestand immer wieder im Verlag, der 2009 von der Alberstraße in den idyllischen Randbezirk Maria Grün siedelt. "Er liebt es, Rechnungen zu sortieren, Bücher aus dem Lager zu holen oder auf die Post zu gehen", sagt Knoch. Und verhehlt nicht die Bewunderung für die Verlagsgründung: "Das war schon mutig."

Am Freitag, 21.11., feiert man im Schauspielhaus in Wien Geburtstag. Mit Lesungen, aber auch Musik vom "Kollegium Kalksburg" featuring Antonio Fian. (Colette M. Schmidt / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2008)

 

  • Die Gründung eines Literaturverlags "war schon mutig", sagt Annette Knoch über ihren Vater und Vorgänger, Max Droschl.
    foto: helmut utri

    Die Gründung eines Literaturverlags "war schon mutig", sagt Annette Knoch über ihren Vater und Vorgänger, Max Droschl.

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