Wiens Wellenbad oder Jukic gegen Verband

20. November 2008, 18:40
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Wiens Schwimmverband will den Verein der Familie Jukic, den SC Austria, wegen verbands­schädigender Äußerungen und Handlungen ausschließen. Zeljko Jukic lacht darüber und fordert Kassaberichte.

Wien - "Es bedarf keiner Erörterung, dass Ihr Verein damit dem Ansehen des Landesschwimmverbands Wien massiven Schaden zugefügt hat." Der Brief vom 18. November 2008 kündigt dem SC Austria und damit der Familie Zeljko, Mirna und Dinko Jukic den Ausschluss aus dem Landesverband (WLSV) an. Der Grund: Zahlreiche "die Interessen des LSV Wien verletzende Äußerungen und Handlungen", die bereits im August 2007 zu einer Ausschlussdrohung führten.

Tochter Mirna, zweifache Sportlerin des Jahres, brachte von den Olympischen Sommerspielen in Peking die einzige Medaille des Schwimmverbandes, eine Bronzene, heim. Vater Zeljko wurde zum Trainer des Jahres gewählt. WLSV-Präsident Bernhard Holzer ist wie offenbar die Mehrheit des Verbandsvorstands der Meinung, "die Eskapaden und Erpressungen von Zeljko Jukic" seien untragbar. Holzer war bis 2001 beim SC Austria: "Vor jedem großen Wettkampf heißt es, die Mirna kann nicht schwimmen. SC Austria hatte bis zu 60 Prozent der Wasserfläche in der Stadthalle. Dank dem Druck der Politik."

Während die Jukics florierten, litt der Wiener Schwimmnachwuchs, so Holzer: "2001 hatte Wien 80 Jugendstaatsmeister, zuletzt 40." Weil Jukic sich zu viel Trainingsraum für seine Kinder unter den Nagel reiße.

Bei der Kurzbahn-EM in drei Wochen in Rijeka dürften Mirna und Dinko Titel holen. Das geht schwer, wenn der Trainingsplatz zu knapp ist. Zeljko: "Ich will nicht in die Südstadt, die Kinder sollen normal zur Schule, ich will nicht wie viele andere Wien verlassen."

Vor zwei Wochen hat er "werten Vertretern aus der österreichischen Sportpolitik" einen Brief geschrieben, in dem er dem WLSV Verfehlungen vorwirft. Der Funktionär Andreas Steiner, der im Verlauf einer turbulenten Sitzung, in der um die Verteilung der Bahnen gestritten wurde, ausrastete ("Fahr heim, dort hinunter, wo du hingehörst, ... du bist hier Gast und kein Österreicher, ein Arschloch bist du"), ist nach wie vor im Amt. Wenn auch nicht mehr als Jugendsportwart. Am 4. April 2008 sprach das Landesgericht Wien Steiner wegen Beleidigung schuldig. Holzer will die Entscheidung des verbandlichen Schiedsgerichts abwarten. Die Statuten sehen dessen Einsetzung binnen 30 Tagen vor, sagt Zeljko Jukic.

Der Präsident des Österreichischen Schwimmverbandes, Paul Schauer, weist auf die Autonomie des Wiener Verbandes hin, stellt aber klar, dass Steiners Äußerungen in jedem Fall inakzeptabel seien. Die Trainingsplatz-Wickel habe ein Mediator befriedet.

Jukic selbst denkt gar nicht ans Einlenken. Im Gegenteil, er fordert sein Recht auf Kassaberichte vom Verband. "Wir zahlen Geld in den Verband. Was passiert damit? Vielleicht fragt einmal die Finanzpolizei beim Wiener Verband nach. Wenn ich nach sechs Monaten auf meine Fragen keine Antwort habe, kann ich vor ein Gericht gehen." (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 21.11.2008)

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    Zeljko Jukic über den Ausschluss: "Lustig!"

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