"Ich trinke nur nach Dienstschluss"

20. November 2008, 17:40
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Der rechtsextreme Chef der Slowakischen Nationalpartei, Ján Slota, warnt vor Autonomie- bestrebungen der ungarischen Minderheit in seinem Land

Mit András Szigetvari sprach er über seine Verbalattacken und Trinkgewohnheiten.

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STANDARD: Sie machen mit Ihren Ausfällen, etwa wenn Sie die Ungarn als Mongolen bezeichnen, in ganz Europa Schlagzeilen. Gefallen Sie sich in der Rolle als Dauerprovokateur?

Slota: Meine Slowakische Nationalpartei wird im Ausland als eine ultranationalistische, extremistische Partei wahrgenommen, was vollkommen falsch ist. Wenn jemand als Rebell bezeichnet wird, weil er die Wahrheit offen ausspricht, bin ich das. Manchmal sind meine Aussagen vielleicht abwertend, manchmal werden sie als vulgär aufgefasst. Aber die Slowakei ist ein kleines Land, und die Slowakische Nationalpartei ist nicht die Partei, die die Fäden zieht. Also warum all diese Aufmerksamkeit? Jemand versucht uns in eine Schublade zu stecken, das ist eine Kampagne gegen uns.

STANDARD: Aber Sie können doch nicht verwundert sein, wenn Sie die ungarische Außenministerin als zerzauste Frau bezeichnen?

Slota: Wären Sie jetzt beleidigt, wenn ich Ihnen sagen würde, dass ihre Frisur heute schlecht aussieht?

STANDARD: Nein. Aber Sie haben eine Ministerin beleidigt.

Slota: Der ungarische Premier Ferenc Gyurcsány hat vor zwei Jahren bei einem Treffen seiner Sozialisten über sein eigenes Land gesagt, dass es verschissen sei. (Gemeint ist die Lügenrede Gyurcsánys. Er sagte damals über seine Regierung: „Wir haben es verschissen", Anm.) Das ist doch eine richtige Beleidigung. Italiens Premier Silvio Berlusconi nannte die italienische Opposition schon einmal Idioten. Westeuropäische Präsidenten treten betrunken auf. Ich denke, da sollten einige Leute erst einmal vor ihrer eigenen Tür kehren.

STANDARD: Wie sehen Sie die Beziehungen zwischen Ungarn und der Slowakei nach dem Treffen zwischen Gyurcsány und dem slowakischen Premier Fico?

Slota: Die Beziehungen zwischen den Menschen sind gut. Aber das Verhältnis wird von der nationalistischen Politik der slowakischen Ungarnpartei (SMK) gestört. Wir haben bereits vor zehn Jahren darauf hingewiesen, dass es das wahre Ziel der SMK ist, eine politische Autonomie für die ungarische Minderheit in der Slowakei zu erreichen. Das hat sich nun nach den Aussagen der SMK-Führung bestätigt.

STANDARD: Warum wäre das so schlimm?

Slota: Eine administrative Autonomie wäre der erster Schritt in Richtung der Unabhängigkeitsbestrebungen, das wäre das Kosovo-Modell.

STANDARD: Sie sagen Ihre Partei ist nicht extremistisch. Was sonst?

Slota: Unser erster Grundpfeiler ist die Nation, dann das Christentum und die Sozialpolitik. Wir unterstützen die Bestrebungen, Europa zu vereinigen. Obgleich wir davon überzeugt sind, dass die Zukunft der EU in starken Nationalstaaten und nicht in einem föderativen Verbund liegt. Sollte sich die EU tatsächlich zu einem Megastaat entwickeln, würde das auch eine Bedrohung für das kleine Österreich darstellen.

STANDARD: Welche europäischen Politiker stehen Ihnen nahe?

Slota: Berlusconi ist mir sympathisch. Ich bewundere auch Sarkozy. Der mir nahestehendste Politiker ist der tschechische Präsident Václav Klaus. Er verweigert sich wie wir gegen eine bestimmte Art der Globalisierung und unterstützt die Idee, starker Nationalstaaten in der EU.

STANDARD: Ihre Gegner sagen Ihnen nach, dass Sie oft betrunken sind.

Slota: Diejenigen, die das sagen, sollten vor ihrer eigenen Türe kehren. Abgeordnete der SMK wurden bereits mehrmals betrunken am Steuer erwischt. Ich setzte mich niemals ans Steuer, wenn ich getrunken haben. Ich bin 55 und trainiere regelmäßig mit Sportflug-zeugen Flugakrobatik. Das wäre schwierig, wenn ich dauernd betrunken wäre. Ich sage nicht , dass ich nicht ab und zu etwas trinke wie jeder andere. Aber wenn, dann nur nach Dienstschluss. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2008)

 

 

 

Zur Person: Ján Slota ist einer der umstrittensten Politiker in Europa. Er führte die Slowakische Nationalpartei (SNS) 2006 in die Regierung unter Führung von Premier Robert Fico von der linken Smer (Richtung). Die SNS ist heute die viertstärkste Partei im slowakischen Parlament, eigene Umfragen sehen sie derzeit sogar bei einem Stimmanteil von rund 15 Prozent.
Berüchtigt ist der 55-jährige Slota in Europa vor allem durch seine Verbalattacken gegen Ungarn und Roma. Diese Attacken sind besonders heikel, da sich in der Slowakei 500.000 bis 600.000 Menschen zu der ungarischen Minderheit bekennen und mehr als 400.000 Roma im Land leben. Slota soll etwa einmal davon gesprochen haben, Budapest mit Panzern plattzuwalzen. Er selbst bestreitet diese Aussage nicht, gibt aber an, damit nur auf die Provokation eines ungarischen Politikers in der Slowakei reagiert zu haben. 2003 schlug er dann vor, jedem slowakischen Roma, der sich freiwillig sterilisieren lasse, 20.000 Kronen (damals 474 Euro) zu zahlen.
Obwohl Slota selbst kein Regierungsamt übernahm, wurde wegen diesen Aussagen die Mitgliedschaft der Smer von Premier Fico bei der SPE, den europäischen Sozialdemokraten, suspendiert. Die Suspendierung wurde erst im vergangenen Februar aufgehoben. Slota war 16 Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt Zilina. Der Hobbypilot hatte eigentlich Bergbau studiert und war vor seinem Eintritt in die slowakische Politik als Techniker tätig. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2008)

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    Nation, Christentum und Sozialpolitik sind die Grundpfeiler seiner in Bratislava mitregierenden Slowakischen Nationalpartei, sagt der umstrittene Ján Slota. 

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