Constantia Packaging zum Verkauf verpackt

20. November 2008, 17:25
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Nach der Constantia Privatbank muss sich Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac nun auch von Teilen der börsennotierten Constantia Packaging AG trennen

Wien - Nächster Knalleffekt in der Causa Constantia, Immofinanz und Immoeast. Diesmal ereignet er sich allerdings in der börsennotierten Constantia Packaging AG, die der Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac (über die niederländische Constantia Packaging B.V.) zuzurechnen ist. Sie wird sich von einem Teil der börsennotierten Constantia Packaging AG trennen. Am Mittwoch hat der Kick-off für die Platzierungsvorbereitungen stattgefunden.
Bank Austria (ein Gutteil der Packaging Aktien ist an sie verpfändet) und Rothschild Bank haben als Investmentbanken den Auftrag bekommen zu sondieren, unter welchen Bedingungen 25 bis 30 Prozent der Aktien auf dem Markt zu platzieren sind.

Potenzielle Käufer

Entscheidungsreif wird der Teilverkauf heuer nicht mehr, Anfang nächsten Jahres soll mit der Due Diligence begonnen werden. Spätestens im Frühling nächsten Jahres will man dann wissen, was potenzielle Käufer zu geben bereit sind. Als Käufer kommen sowohl Private-Equity-Fonds als auch Industriebetriebe oder Privatstiftungen infrage.
Die Constantia Packaging AG (Aluminium, Wellpappe und flexible Verpackungen) ist zwar weniger konjunkturabhängig als Unternehmen anderer Branchen, trotzdem wagt derzeit niemand zu sagen, wie die Aussichten sind. Derzeit hat das in Wien notierte Unternehmen, dem auch die Mehrheit der Austria Metall AG gehört (siehe Grafik), eine Marktkapitalisierung von 440 Mio. Euro. Vor der Finanzkrise und den damit verbundenen Aktienabstürzen, Ende 2007, waren es noch 861 Mio. Euro gewesen. Die Gesellschaft , die heuer ein Rekordergebnis erwartet, beschäftigt 8400 Mitarbeiter in 20 Ländern. Im Vorjahr wurden 1,5 Mrd. Euro umgesetzt, das Ebit lag bei 160 Mio. Euro. Derzeit hält die Packaging B.V. (die wiederum der Herbert Turnauer Stiftung in Vaduz gehört und hohe Haftungen für die Immos trägt) knapp mehr als 90 Prozent, der Rest ist im Streubesitz. Ein Börsenrückzug wäre jederzeit möglich.
Der langjährige Packaging-Vorstand, Helmut Schwager, wird übrigens zum Jahresende ausscheiden, bestätigte Aufsichtsratspräsident Guido Schmidt-Chiari dem Standard.

Inoffizielle Variante

Mit den aktuellen Geschehnissen rund um die beiden Immogesellschaften hat das nach offizieller Lesart nichts zu tun, Schwager (seit vorigen Freitag 65) habe die Altersgrenze für aktive Manager erreicht. Dass Schwager, der auch im Aufsichtsrat der Constantia Privatbank saß (und von 1986 bis 1989 im Bankvorstand), nicht in den Aufsichtsrat der Packaging AG übersiedelt, spricht freilich für die inoffizielle Variante: für die, wonach Castelbajac sich von Schwager atmosphärisch entfernt habe. Ein Nachfolger Schwagers, soll bis Weihnachten gefunden sein. Schwager war Gründungsmitglied der Immofinanz-Gruppe und bis heuer im Herbst deren Aufsichtsratsvorsitzender. Der Aufsichtsratschef der Constantia Privatbank, Walter Knirsch, betont, dass die Bank nicht liquidiert werden soll. (Claudia Ruff, Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2008)

 

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