Die Zukunft des Bürobaus

20. November 2008, 15:51
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Viertel zwei oder fünf vor zwölf? Gerhard Rodler sprach mit DIVA-Award-Preisträger Michael Griesmayr

Am 6. November wurde der DIVA-Award verliehen. Mit dem Preisträger Michael Griesmayr, Eigentümer der IC Projektentwicklung, sprach Gerhard Rodler über das Viertel Zwei sowie über die Zukunft des Bürobaus.

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Standard: Das Viertel Zwei in Wien Leopoldstadt wurde als bestes Immobilienprojekt 2008 ausgezeichnet. Was sind Ihrer Meinung nach die Erfolgsfaktoren für eine derartige Immobilienentwicklung?

Griesmayr: Ich denke, dass sich die Erfolgsfaktoren nicht verändert haben. Der wichtigste Faktor ist nach wie vor eine sehr gute Lage - konkret ist das in Wien ein U-Bahn-Anschluss - sowie ansprechende Architektur und Flächeneffizienz. Und das wiederum bringt wirtschaftlichere Mietkosten mit sich.

Standard: Was zeichnet das Viertel Zwei konkret aus - abgesehen von der Lage?

Griesmayr: Ein wichtiger Bestandteil eines solchen Viertels ist das Marketing im weitesten Sinne. Das beginnt beim Herausarbeiten der Standortvorteile in der Sprache der jeweiligen potenziellen Kunden und endet bei der laufenden optimalen Betreuung der potenziellen Kunden. Erfolgreich ist, wer es am besten versteht, nachhaltig zu begeistern.

Standard: Mit dem Viertel Zwei haben Sie eine neue Lage kreiert - sind solche Erfolge planbar?

Griesmayr: Die Basics, also das Handwerkszeug, müssen stimmen. Und das ist planbar. Aber letzten Endes gehört immer auch etwas Glück dazu.

Standard: Ist in wirtschaftlich angeschlagenen Zeiten hochwertige und damit teurere Architektur überhaupt noch leistbar?

Griesmayr: Hochwertige Architektur ist immer sinnvoll und muss daher auch zu jeder Zeit von Seiten der Immobilienentwickler ermöglicht werden. Architektur ist immer ein Spiegel ihrer Zeit. Im Übrigen muss hochwertige Architektur nicht unbedingt mehr kosten. Sie ist für Baufirmen manchmal nur anspruchsvoller in der Realisierung.

Standard: Was würden Sie beim Viertel Zwei heute anders machen?

Griesmayr: In den letzten fünf Jahren ist das Thema Energie viel wichtiger geworden. Ich würde den erneuerbaren Energien heute einen höheren Stellenwert ein- räumen - beispielsweise der Verwendung der Außenhaut des Gebäudes zur Nutzung der Sonnenenergie.

Standard: Wie ökonomisch sind Bürotürme wie etwa das Hoch Zwei, in das sich die OMV eingemietet hat?

Griesmayr: Wir haben mit diesem Projekt bewiesen, dass man auch in Bürotürmen durchaus kostengünstig agieren kann. Es geht ja letztlich nicht um Mietkosten pro Quadratmeter, sondern um Kosten pro Arbeitsplatz - und zwar inklusive aller Betriebs- und darüber hinaus anfallenden Kosten. Und da kann ein Büroturm der neuen Genera-tion durchaus mithalten.

Standard: Wie sieht für Sie die Zukunft von Bürohäusern aus?

Griesmayr: Ich denke, dass sich auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit von Gebäuden noch viel ändern wird. Dazu bedarf es freilich auch der Bereitschaft der Endinvestoren und Nutzer. Anstelle der Betrachtung der reinen Quadratmeterkosten muss eine Evaluierung der Arbeitsplatzkosten für die gesamte Lebensdauer des Gebäudes treten. Ein Euro mehr Miete pro Quadratmeter auf oder ab darf in Zukunft jedenfalls nicht das Maß aller Dinge sein. Bis es so weit ist, wird es freilich noch etwas dauern. (DER STANDARD Printausgabe 16/11.11.2008)

 

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    Viertel Zwei in Wien Leopoldstadt

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