Erweiterter Blick auf Friedensreich Hundertwasser

20. November 2008, 15:18
posten

Ausstellung im KunstHaus zum virtuellen 80. Geburtstag des Künstlers bringt bisher noch nicht gezeigte Werke nach Wien

Wien - Anlässlich des 80. Geburtstags des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) am 15. Dezember zeigt das KunstHaus Wien unter dem Titel "Der unbekannte Hundertwasser" bis 15. März 2009 Werke, die überhaupt noch nie bzw. noch nicht in Österreich zu sehen waren. Mit den Werken, darunter ein Flugzeugmodell, frühe Jugendbilder und ein Boxermantel für Henry Maske, sollen weitere Facetten Hundertwassers öffentlich gemacht werden. Dieser war der "bekannteste österreichische Künstler der Nachkriegszeit - und auch der umstrittenste", sagte sein enger Freund und frühere langjährige KunstHaus-Direktor Joram Harel zur Eröffnung am Mittwoch. Für Harel ist die Schau die letzte von ihm kuratierte "in diesem Haus", wie er sagte (Das 1991 eröffnete KunstHaus wurde 2007 in die Wien Holding eingegliedert).

"Wirklich verstanden haben Hundertwasser die Allerwenigsten", sagte der Direktor des Naturhistorischen Museums (NHM), Bernd Lötsch. Zum 80er sei "die Zeit reif, dass er nun verstanden wird". Im NHM will ein international besetztes Symposium (11. bis 13. Dezember) zum erweiterten Verständnis des Künstlers beitragen. Hundertwasser sei "unverändert aktuell", sagte Harel. Die Ausstellung setzt sich aber weniger mit dem Hainburg-Aktivisten, Nummerntafel-Gestalter und Ökologie-Propagator auseinander, sondern mehr mit jenen Seiten, die "wir aus den Medien nicht so kennen", sagte KunstHaus-Geschäftsführer Franz Patay.

Kreislaufdenker

Mit seinen bunten Farben, fließenden Formen und unebenen Böden steht bei Hundertwasser das Organische im Zentrum - der "Spiralmaler" war ein "großer Kreislaufdenker", sagte Lötsch nicht nur in Hinblick auf Hundertwassers Humus-Toilette. Da mag es vielleicht kurz verwundern, dass der 1928 in Wien als Friedrich Stowasser geborene Künstler und Kosmopolit auch eine Boeing 757 verschönert hat. Doch die vor allem aus internationalen Privatsammlungen stammenden Werke der Schau, die auch Fotografien des Künstlers (der sich u.a. für ein heimliches Date in Paris mit Perücke und gefärbtem Bart verkleidet) und Architektur-Modelle beinhaltet, sind ansonsten typische Hundertwasser-Werke.

"Ein Hundertwasser-Bild muss erlebt werden, es muss ein Dialog entstehen", sagte Harel. Dieser Dialog ist nun im KunstHaus in bisher nie dagewesener Form möglich: Die gesamte Ausstellungsfläche des Hauses wird erstmals Hundertwasser gewidmet, da neben der Dauerausstellung auch die Räume für Wechselausstellungen Werke des Initiators und Gestalters des KunstHauses zeigen. Viel Wert wird dabei auch auf die Ideenwelt des Künstlers gelegt. Der Kämpfer gegen die gerade Linie war überzeugt: "Was der Mensch macht, ist böse, was die Natur macht, ist gut." (APA)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Der Tod des Mannequins - Die Photographen"

Share if you care.