Gewerkschafter weisen Industrie-Vorschlag als frivol zurück

20. November 2008, 14:13
84 Postings

Der IV-Vorschlag zur Überbrückung von Auftragseinbrüchen ein neues Arbeitsmodell mit Lohnverzicht und staatlichem Lohnzuschuss auszuarbeiten, stößt auf Widerstand

Wien - Der Vorschlag der Industriellenvereinigung (IV), zur Überbrückung von Auftragseinbrüchen ein neues Arbeitsmodell in Unternehmen mit Lohnverzicht und staatlichem Lohnzuschuss auszuarbeiten (siehe dazu), stößt bei der Gewerkschaft auf Widerstand. "Frivol, völlig überzogen und eigentlich bis zu einem gewissen Grad unverschämt" lautet die Reaktion von GPA-Vorsitzendem Wolfgang Katzian. "Die Arbeitnehmer sollen doppelt und dreifach zur Kasse gebeten werden", kritisiert Katzian - nach dem massiven Einsatz von Steuergeldern zur Bankenrettung wolle nun auch die Industrie Staatshilfe.

Die staatliche Hilfe komme großteils aus den von den Arbeitnehmern bezahlten Massensteuern, der Lohn- und Einkommensteuer und der Mehrwertsteuer, erläutert Katzian. Der von der Industrie vorgeschlagene Lohnverzicht würde sich nicht nur auf die einzelnen Arbeitnehmer negativ auswirken sondern wäre in der jetzigen konjunkturellen Lage ein völlig falscher Schritt, warnt Katzian. "Würden wir jetzt auch zusätzlich Lohnverzicht machen, wäre der Effekt der Krise noch schneller". Durch die Ankurbelung der Inlandsnachfrage solle die Krise zumindest abgedämpft werden.

Beitrag der Gutverdiener

Besonders vermisst der Gewerkschafter nun den Beitrag jener, die in den letzten Jahren sehr gut verdient haben. "Da muss man schon sehr viel Selbstvertrauen haben, um jetzt zu sagen, da müssen wieder die anderen zahlen und wir tragen nichts dazu bei". Wenn ein Betrieb unter starkem Auftragsrückgang leide sollten zuerst die Möglichkeiten der Kurzarbeit ausgeschöpft werden. Hier seien auch Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer, von Betriebsrat und Gewerkschaft, verankert. Der Verdacht dränge sich auf, dass durch neue Modelle auf Betriebsebene diese Mitbestimmung ausgehebelt werden solle, meint der Gewerkschafter.

Weitere Konjunkturpakete

Zur Stützung der Konjunktur werden weitere Konjunkturpakete geschnürt, die Aufträge für die Bauwirtschaft und andere Branchen bringen werden, ist Katzian überzeugt. Auch müsse das Bankenrettungspaket endlich greifen, um die Finanzierung der Investitionen zu sichern. "Die Kreditgewährung von Banken an die Industrie funktioniert nicht so, wie man sich das aufgrund des Bankenpakets erwarten müsste".

Auch ÖGB-Wirtschaftssprecher Erich Foglar, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN), hatte die Vorschläge der IV als "Frozzelei" zurückgewiesen: "Noch nie hat Lohnverzicht dazu beigetragen, Arbeitsplätze zu erhalten." Wilhelm Haberzettl, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen im ÖGB (FSG), verlangt rasch zusätzliches Geld für das Arbeitsmarktservice (AMS), um langfristige negative Folgen für den heimischen Arbeitsmarkt zu vermeiden. Mit den zusätzlichen Mitteln sollten rasch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen finanziert werden. (APA)

 

Share if you care.