"Kälte tut weh"

20. November 2008, 13:55
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Wiener "Gruft" startet Winter-Spendenkampagne - 120 Menschen schlafen im Winter täglich im Betreuungszentrum

Wien- "Kälte tut weh" - Unter diesem Motto startet die Wiener Gruft, das Caritas-Betreuungszentrum für Obdachlose in Mariahilf, ihre diesjährige Winter-Spendenkampagne. "Angesichts der steigenden Kosten für Wohnen, Energie und Lebensmittel bemerken wir, dass der Druck auf die Menschen an den Rändern steigt", sagte der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau. Er forderte erneut ein "drittes Konjunkturpaket" für die Ärmsten des Landes.

120 Menschen schlafen täglich im Betreuungszentrum

Die Gruft stellt obdachlosen Menschen seit über 20 Jahren kostenlos warme Speisen, Kleidung, Wasch- und Schlafplätze zur Verfügung. Seit 1994 läuft sie im 24-Stunden-Betrieb. Im Winter dient das unter der Barnabitenkirche gelegene Gewölbe zudem als Wärmstube. Laut Martina Pint, Leiterin der Gruft, schlafen bis zu 120 Menschen täglich im Betreuungszentrum. Allein 2007 wurden rund 80.000 Mahlzeiten ausgegeben. Neben finanzieller Unterstützung benötige die Einrichtung vor allem im Winter Sachspenden wie warme Kleidung, Decken oder Schlafsäcke.

"Der Winter ist für Leute, die kein Dach über dem Kopf haben, eine extrem schwere Zeit", so Landau. Sichtbare Obdachlosigkeit sei jedoch nur die Spitze des Eisbergs, viele Menschen könnten etwa in der kalten Jahreszeit ihre Wohnungen nicht angemessen heizen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzmarktkrise habe sich die Situation für viele noch verschlechtert.

Dieser Entwicklung gelte es politisch gegenzusteuern. Nach einem Entlastungspaket für Wirtschaft und Mittelstand müsste nun den Ärmsten der Gesellschaft geholfen werden. Armutsvermeidung sei schließlich keine Frage des Könnens, sondern des politischen Wollens, versicherte der Caritas-Chef: "Wenn ein 100-Mrd.-Euro-Schutzschirm über Österreichs Banken gespannt wird, ist das zwar wichtig." Gleichzeitig müsse man aber betonen, dass sich mit nur einem Prozent dieses Betrags unglaublich viel vermeiden ließe. "Die bedarfsorientierte Mindestsicherung ist ein Gebot der Stunde", so der Direktor.

Ein bereits alter Bekannter für die in der Gruft tätigen Sozialarbeiter ist Herr Harry. Er sucht die Einrichtung seit Jahren immer wieder auf. "Mit 450 Euro Notstandshilfe springt man eben nicht weit", erzählte er vor Journalisten. Sein Leben sei wie eine Hochschaubahn, ein ständiges Auf und Ab. Die Menschen von der Caritas hätten ihm jedoch immer geholfen. Hier könne er essen und sich aufwärmen.

Die Nächte verbringt der Mann mittleren Alters aber nicht unter der Barnabitenkirche: "Da müsste ich meinen Zwergschäfer weggeben und das will ich nicht." Haustiere sind in der Gruft nämlich verboten. Er könne bei einem Bekannten schlafen. Eine eigene Wohnung komme jedenfalls nicht in Frage: "Da musst du zwei Monatsmieten Kaution und zusätzlich Provision zahlen - völlig unvorstellbar für mich." (APA)

 

 

Webtipp: Gruft

Spendenkonto: PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort: "Gruft-Winter-Paket"

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