Erholung fördert Arbeitsleistung

20. November 2008, 13:48
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Was als allgemein bekannt gilt, hat die Psychologin Carmen Binnewies empirisch untersucht - physiologische Wirkung und Selbstwirksamkeit

Mainz - Erholte Menschen sind in der Arbeit kreativer, helfen den Kollegen mehr und zeigen mehr Initiative. Was als allgemein bekannt gilt, wies die Psychologin Carmen Binnewies von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nun empirisch nach. Sie untersuchte dazu 600 Personen aus der öffentlichen Verwaltung, aus Klein- und Mittelbetrieben sowie aus der Behindertenarbeit. Gezielte Erholung wie Schlaf und Sport habe einerseits physiologische Wirkung, andererseits schaffe sie auch Selbstwirksamkeit. "Wer erholt ist, weiß, dass er leistungsfähig ist", so die Psychologin.

Kontinuität in der Erholung

Als besonders wichtig für die Arbeitsleistung erwies sich in der Studie die Kontinuität in der Erholung, zu der neben der täglichen freien Zeit auch das freie Wochenende beiträgt. "Das Wochenende macht Aktivitäten möglich, für die unter der Woche keine Zeit bleibt, und lässt den Menschen somit Kraft tanken. Geschieht das nicht, kann das negative Auswirkungen auf die gesamte darauffolgende Woche haben." Länger andauernde Erholungsphasen wie der Urlaub seien zwar für Leute wichtig, deren Kräfte erschöpft sind, sie hätten jedoch gegenüber der regelmäßigen Erholung nur geringe Bedeutung. "Der Urlaub wirkt höchstens vier Arbeitswochen nach, egal wie lange er gedauert hat", betont die Studienautorin.

Beispiel Sport

Fällt die Erholung neben der Arbeit weg, versuchen Menschen dies laut Studie durch mehr Arbeit zu kompensieren. "Sie schaffen dadurch kurzfristig eine höhere Leistung, brauchen ihre Ressourcen jedoch auf", sagt Binnewies. In Folge sinkt die Qualität der Arbeit. Erholungsprobleme haben am ehesten Menschen, die in ihrer Arbeit unter starkem Stress stehen. "Um zum Beispiel Sport zu betreiben, braucht der Körper auch Energie und muss sich anschließend ausrasten können." Gestresste Menschen würden tendenziell wenig Sport betreiben, obwohl sie von dessen Vorzügen überzeugt seien. Einen Ausweg aus dieser Situation sieht Binnewies in Freizeitroutinen. "Konkrete Fixtermine wie das Schwimmen am Donnerstagabend sind da hilfreich, besonders wenn es in Verabredung mit Freunden geschieht", so die Empfehlung der Psychologin.

Erholung individuell

Welche Form der Erholung die beste ist, muss jeder individuell herausfinden. "Jeder findet seinen eigenen Weg", erklärt Binnewies. "Viele betreiben in ihrer Freizeit Sport, treffen andere, engagieren sich ehrenamtlich oder machen es sich einfach am Sofa bequem." Aktive Tätigkeit tragen mehr zur Erholung bei als passive, wichtig sei außerdem ausreichender und qualitativ guter Schlaf. Die Freizeit sei jedoch nicht immer erholsam, denn manche empfänden etwa die Haushaltsführung als Belastung oder arbeiten in der Freizeit für andere Arbeitgeber. "Für den Erholungswert kommt es nicht auf die Art der Tätigkeit an, sondern darauf, wie positiv ich sie erlebe", so das Resümee der Mainzer Psychologin. (pte)

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    Welche Form der Erholung die beste ist, muss jeder individuell herausfinden ... manche bevorzugen zum Beispiel Ballsportarten wie Volleyball.

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