Paris: Welche soll die Sozialistische Partei führen?

20. November 2008, 14:02
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Ségolène Roya und Martine Aubry streben beide den Einzug in den Élysée-Palast an - Beide verfügen über reichlich Regierungserfahrung

Paris - Zwei Politikerinnen ringen um die Führung der französischen Sozialistischen Partei (PS): Die Präsidentin der Region Poitou-Charentes, Ségolène Royal (55), und die Bürgermeisterin von Lille, Martine Aubry (58), verfügen beide über reiche Regierungserfahrung. Die frühere Präsidentschaftskandidatin Royal gibt sich gerne als Außenseiterin. Sie sei keine Frau des Apparats, sondern setze auf den direkten Kontakt zu den Menschen, sagt sie und geht demonstrativ auf Distanz zu den "Elefanten" der PS wie den ehemaligen Regierungs- und Parteichefs Pierre Mauroy, Laurent Fabius und Lionel Jospin.

Royals "Guru-Methoden"

Die 55-Jährige möchte zwar gerne Parteichefin werden, schielt dabei aber schon auf die Präsidentenwahl 2012. Im vergangenen Jahr scheiterte sie mit 47 Prozent der Stimmen gegen den konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy. Royal hat innerhalb der eigenen Partei ebenso glühende Anhänger wie erbitterte Feinde, die sich über ihre "Guru-Methoden" lustig machen. Ihre bewusst unkonventionellen Wahlkampfauftritte an der Seite von Popstars inszenierte sie mit Hilfe eines Regisseurs.

Royal, die einer katholischen Offiziersfamilie entstammt, wurde in Dakar in Westafrika geboren, wo ihr Vater für die französische Marine im Einsatz war. An der Elitehochschule ENA (École Nationale d'Administration) lernte sie den späteren Parteichef Francois Hollande kennen, mit dem sie vier Kinder hat. Royal gab ihre Trennung von Hollande am Abend der Präsidentenwahl bekannt. Sie war mehrfach Kabinettsmitglied, zuständig unter anderem für Umwelt, Familien und Schule. Royal tritt für eine Koalition der PS mit der bürgerlichen Zentrumspartei MoDem von Francois Bayrou ein.

70-Stunden-Woche

Für Martine Aubry ist eine 70-Stunden-Woche nichts Ungewöhnliches, dabei war sie es, die in Frankreich die 35-Stunden-Woche durchgesetzt hat. Die ehemalige Arbeits- und Sozialministerin gilt als bodenständige und arbeitswütige Politikerin. Aubry vertieft sich in ihre Dossiers wie ihr Vater Jacques Delors, der 1981 erster Wirtschafts- und Finanzminister nach dem Wahlsieg von Francois Mitterrand wurde und zehn Jahre lang der EU-Kommission in Brüssel vorstand. Aubry wurde mit 41 Jahren zum ersten Mal Arbeitsministerin und setzte später die gesetzliche 35-Stunden-Woche durch. Sie steht in der Partei für den Gewerkschaftsflügel.

Es gilt als wahrscheinlich, dass auch Aubry 2012 bei der Präsidentschaftswahl - vermutlich gegen Sarkozy - antreten will. In ihrem Wahlprogramm kommen die Worte "links" und "ich will" am häufigsten vor. Aubry schließt eine Koalition mit der Zentrumspartei MoDem auf nationaler Ebene aus - obwohl sie in Lille selber mit MoDem zusammengegangen ist. Aubry ist in zweiter Ehe mit einem Rechtsanwalt verheiratet und hat eine Tochter. (APA)

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    Die Bürgermeisterin von Lille, Martine Aubry (58) und...

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    die Präsidentin der Region Poitou-Charentes, Ségolène Royal (55) wollen die Führung der französischen Sozialistischen Partei übernehmen.

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