Unternehmen kürzt Stahlproduktion

20. November 2008, 13:23
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Produktionskosten werden um drei bis fünf Prozent zurückgefahren - Mehr als 2.000 Leasing-Arbeitsplätze sind gefährdet

Wien  - Der börsenotierte Stahlkonzern voestalpine tritt angesichts der verschärften Finanzkrise auf die Kostenbremse: Die Stahlproduktion wird um 3 bis 5 Prozent gedrosselt. "Wir werden rund zwei Wochen Betriebsstillstand in Linz haben", kündigte Konzernchef Wolfgang Eder heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz an. Die Einsparungen werden voraussichtlich auch mit einem Personalabbau einhergehen - und zwar überwiegend unter den Leasingkräften. Mehr als 2.000 Jobs wackeln.

"Wir versuchen, die Stammbelegschaft zu halten, schließen aber nicht aus, dass wir da oder dort eingreifen müssen", sagte Eder. Die Produktion werde auf das vom Markt her erforderliche Ausmaß reduziert. Der Konzernchef will die Einsparungen mit Urlaubsabbau, Überstundenreduktion, flexiblen Arbeitszeiten und weniger Leasingkräften bewältigen.

Weltweit beschäftigt die voestalpine derzeit rund 42.000 Arbeitnehmer - rund 10 Prozent davon sind Leasing-Kräfte. "Etwa die Hälfte der Leasing-Mitarbeiter wird zur Disposition gestellt", sagte Eder. Somit sind konzernweit rund 2.100 Arbeitsplätze gefährdet. In Österreich beschäftigt der Stahlkonzern knapp 2.000 der insgesamt 4.200 Leasing-Mitarbeiter.

Produktionsstopp über Weihnachten

Der über Weihnachten geplante Produktionsstopp verringert die Stahlproduktion um 150.000 Tonnen. Sollte statt einer 3- eine 5-prozentige Kostenreduktion nötig sein, werde der Betrieb im Februar eine weitere Woche eingestellt. Damit würde der Output dann um insgesamt 250.000 Tonnen gekürzt. Über den zweiten Produktionsschnitt entscheidet das Management im Jänner.

Massive Kürzungen stehen auch bei den Investitionen des Stahlkonzerns an. Diese werden im kommenden Geschäftsjahr 2009/10 um 30 Prozent auf rund 700 Mio. Euro zurückgefahren. Das milliardenschwere Stahlwerksprojekt am Schwarzen Meer, mit dem die voestalpine ihre Stahlproduktion verdoppeln will, wurde längst "am Status-quo eingefroren". Akquisitionen werden eingestellt, weil dafür auf dem Kapitalmarkt derzeit ohnedies keine Finanzierungen zu bekommen sind.

Sicherheit

Lichtblicke gibt es vorwiegend mit Blick auf die Vergangenheit: "wir haben keine kurzfristigen Finanzierungserfordernisse - das Bankenproblem wird uns nicht treffen", versicherte Eder. Die 3,7 Mrd. Euro teure Übernahme des Edelstahlherstellers Böhler-Uddeholm sei "ausfinanziert". Als letzte Aktion habe die voestalpine im November eine 333-Mio.-Euro-Anleihe platziert. Das operative Ergebnis werde durch die Großakquisition noch zwei Jahre lang "deutlich belastet", heuer drücke sie mit 132 Mio. Euro auf das EBIT.

"Böhler-Uddeholm gehört uns seit 5. September zu 100 Prozent und wird schon heuer Synergieeffekte in Höhe von 90 Mio. Euro bringen", so Eder. In ein bis zwei Jahren sollen sie sich auf 123 Mio. Euro belaufen. Zusätzlich will die voestalpine ihre Kostenpositionen heuer um 200 Mio. Euro verbessern, in Summe werden als Einsparungen in Höhe von rund 300 Mio. Euro angepeilt. Im kommenden Geschäftsjahr würden die Einsparungen verschärft. (APA)

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