Graffiti können kleinkriminell machen

21. November 2008, 11:27
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Niederländische Forscher bestätigen "Broken Windows"-Theorie der Sozialforschung, die empirisch so gut wie gar nicht abgesichert war

Groningen - Kaum eine andere Theorie der Sozialforschung wurde in den letzten Jahrzehnten politisch so einflussreich wie die der "Broken Windows". Die von zwei US-Soziologen 1982 aufgestellte Behauptung besagt, dass schon geringe Anzeichen von Verwahrlosung weitere Zerstörungen nach sich ziehen. Die New Yorker Polizei entwickelte daraus ihre umstrittene, gleichwohl aber oft kopierte Politik der Nulltoleranz, die vorsieht, frühzeitig und rigoros auch gegen kleinste Ordnungswidrigkeiten vorzugehen.

Allein: Die These vom zerbrochenen Fenster war empirisch so gut wie gar nicht abgesichert - bis jetzt zumindest. Denn nun liefern Soziologen der Universität Groningen in der US-Fachzeitschrift Science (online vorab) die Bestätigung nach. Die Forscher rund um Kees Keizer haben in ihrer Heimatstadt sechs verdeckte Experimente durchgeführt.

Eines fand in einem Einkaufsviertel statt, wo viele Fahrräder stehen, an denen die Forscher Werbeflyer befestigten. Waren die Wände sauber, warfen nur 33 Prozent der Radfahrer den Flyer auf die Straße. Wenn es - trotz eines entsprechenden Verbotsschilds - Graffiti gab, waren es hingegen 69 Prozent. Ähnliches konnte auch bei einem Diebstahlsexperiment gezeigt werden. Womit zu beweisen war, dass kleine Störungen der Ordnung tatsächlich weitere Ordnungswidrigkeiten nach sich ziehen. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. November 2008)

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    Endlich erwiesen: Wenn Graffiti an Orten mit Graffitiverbot zu sehen sind, führt das zu weiteren ordnungswidrigen Handlungen.

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