Spieglein, Spieglein an der Wand

20. November 2008, 13:14
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Acht Prozent der Österreicherinnen haben bereits eine Schönheits-OP hinter sich - Der Trend geht zu extremen Eingriffen

Immer mehr Menschen begeben sich unter das schönheitschirurgische Messer, die Kunden werden immer jünger, die Eingriffe immer extremer. "Gesellschaftliche Normen prägen für viele Frauen das oft unerreichbare Bild eines Schönheitsideals. Der vermeintlich perfekte Körper erscheint so erstrebenswert, dass dafür vieles in Kauf genommen wird," so Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely im Vorfeld der internationalen Konferenz "Der gemachte Körper - Körperbild(er) zwischen Schlankheitswahn, Schönheitskult und Natürlichkeit".

Acht Prozent der Österreicherinnen hatten Schönheits-Eingriff

Laut aktueller Gallup-Umfrage, bei der 413 Frauen befragt wurden, haben acht Prozent der Frauen über 14 Jahren einen schönheitschirurgischen oder kosmetischen Eingriff hinter sich. Weitere 25 Prozent können sich vorstellen, eine solche schönheitsmedizinische Intervention machen zu lassen. "Diese hohen Werte zeigen, dass Frauen so stark mit normierten Schönheitsidealen konfrontiert sind, dass viele von ihnen glauben, sie nur durch medizinische Eingriffe erreichen zu können", so Beate Wimmer-Puchinger,  Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien.

Gesichtsbehandlungen vor Fettabsaugungen

Faltenbehandlungen und Gesichtsstraffungen führen mit 54 Prozent die Liste der gemachten oder gewünschten Eingriffe an, vor Nasenkorrekturen (18 Prozent), Fettabsaugungen (16 Prozent) und Brustvergrößerungen oder -verkleinerungen (15 Prozent).

Beinverlängerungen und Vaginalverschönerungen

Der Wunsch nach "Köperformung nach Maß" sei auch längst nicht mehr auf die "Klassiker" Nasenkorrektur, Faltenbeseitigung, Brustvergrößerung oder Fettabsaugung beschränkt, beobachtet die international tätige Expertin und Schweizer Gesundheitswissenschafterin Ilona Kickbusch. Aus Russland kommt etwa ein Trend zu extremen Eingriffen: Um möglichst lange Beine zu bekommen, lassen sich vorwiegend junge Frauen etwa die Unterschenkelknochen brechen und dann in langwierigen Prozeduren verlängern. "Ein zunehmender weltweiter Trend sind auch so genannte Vaginalverschönerungen, Frauen lassen sich eine Designer-Vagina formen oder verengen, die Schamlippen verkleinern oder mit Eigenfett unterspritzen," so Kickbusch. Laut American Society of Plastic Surgery ist Vaginalchirurgie das am schnellsten wachsende Segment der Fachrichtung.

Wenige sind mit Ergebnis sehr zufrieden

In scharfem Kontrast zur Popularität von Schönheitsoperationen steht die Zufriedenheit mit deren Resultat. Das Risiko, eine Operation auf sich zu nehmen, führt häufig nicht zum gewünschten Ergebnis, wie die aktuelle Studie zeigt. Elf Prozent der Befragten, die bereits einen einschlägigen Eingriff hinter sich haben, sind "sehr unzufrieden", das sind mehr als jene zehn Prozent, die "sehr zufrieden" bilanzieren. "Angesichts dieses äußerst durchschnittlichen Ergebnisses ist zu bezweifeln, ob sich das Risiko einer Operation wirklich lohnt", Wimmer-Puchinger. "Die Hoffnung, dass ein Schnitt mit dem Skalpell das Leben verändert, bleibt offenbar Illusion."

Altersgrenzen erwünscht

Die Frage, ob es bei Schönheitsoperationen Grenzen geben oder immer der individuelle Wunsch von Frauen respektiert werden soll, polarisiert: Je die Hälfte der Befragten vertritt - allgemein gefragt - jeweils die eher regulierende oder eher freizügige Auffassung. Die konkrete Forderung nach einer Altersuntergrenze für Schönheitsoperationen hat allerdings eine klare Unterstützung: 77 Prozent der Frauen treten für eine solche ein, unter den jüngeren Frauen unter 30 sind es sogar 86 Prozent.

Einfluss der Medien

Knapp die Hälfte der Frauen hält übrigens den Einfluss der Medien für besonders bedeutend, wenn es um die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper geht - das ist deutlich mehr Einfluss als etwa dem eigenen Partner (28 Prozent) oder den Freundinnen (28 Prozent) zugeschrieben wird.

Schönheitsoperation im Ausland

Allianzen und Partnerschaften zwischen Politik, GesundheitsexpertInnen und Modeindustrie würden zunehmend von der Politik in ganz Europa etabliert, berichtet Ilona Kickbusch. Auch sonst reagiere die Politik verstärkt auf die ungesunden Schönheitstrends - von der Debatte über untere Altersgrenzen für schönheitschirurgische Eingriffe bis hin zum kürzlich beschlossenen strengen französischen Gesetz, das die Anstiftung zur Anorexie unter Strafe stellt. Dies ist deshalb bedeutsam, weil das Milliarden-Geschäft mit der Schönheit längst Grenzen überschreitet. "Immer mehr Operationswillige, vor allem aus Westeuropa, nehmen günstige Pauschalangebote für Operationsreisen nach Ungarn, Tschechien oder entfernte Destinationen wie Malaysia oder Thailand wahr", so die Gesundheitswissenschafterin. Neben den häufig fehlenden einheitlichen Qualitätsstandards gehöre zu den ungelösten Problemen dieses Trends auch die Frage, wer die Kosten der Behandlung von Komplikationen, die nach der Rückkehr ins Heimatland auftreten, trägt.

Schönheit kostet

Was die nicht unerheblichen Kosten des Eingriffs selbst betrifft, ortet Kickbusch einen anderen alarmierenden Trend: "Es sind keineswegs nur die Reichen und Schönen, die sich unter das schönheitschirurgische Messer begeben, sondern immer häufiger auch einkommensschwache Menschen, die das Geld für die kostspieligen Eingriffe kaum aufbringen können." Eine immer häufigere Konsequenz ist die Schönheit auf Pump.

Vor allem in den USA bieten spezialisierte "plastic surgery loan companies" an, Fettabsaugungen, Brustvergrößerungen und Co. zu finanzieren. Aber auch in Europa, zum Beispiel in Deutschland, haben Kreditinstitute die Marktlücke Schönheits-Kredit bereits entdeckt. "Wer Schönheit auf Kredit finanziert, kann rasch in der Schuldenfalle landen", warnt Kickbusch, "insbesondere dann, wenn Komplikationen oder Misserfolge weitere Behandlungskosten erfordern."

Wien aktiv

Die Initiative S-O-Ess setzt sich unter dem Motto "No BODY is perfect" gegen unerreichbare Schlankheitsideale und krank machende Vorbilder ein. "Durch den Schulterschluss von Politik, GesundheitsexpertInnen, Mode, Werbung, Medien und Show-Business wird die Bewusstseinsbildung zu diesem Thema unterstützt", so Stadträtin Wehsely. Selbst ist die Frau - Schönheit um jeden Preis?" heißt eine Aufklärungsbroschüre des Wiener Programms für Frauengesundheit, das über Risiken bei Schönheitsoperationen aufklärt. (red)

 

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    25 Prozent der Österreicherinnen können sich vorstellen, eine schönheitsmedizinische Intervention machen zu lassen, so die aktuelle Gallup-Studie.

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