Weltwirtschaftsklima sackt auf 20-Jahres-Tief

20. November 2008, 11:52
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Schlechte Nachrichten von den Experten des ifo-Instituts: Die Konjunktur trübt sich deutlich ein, eine baldige Besserung ist nicht in Sicht

Berlin - Der globalen Wirtschaft steht nach Ansicht des Münchner ifo-Instituts eine Rezession bevor. Das Weltwirtschaftsklima sei im vierten Quartal auf 60,0 Punkte und damit den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren gesunken, teilte das Institut am Donnerstag mit. Vor allem die Einschätzung der gegenwärtigen Lage habe sich deutlich eingetrübt. Aber auch für die kommenden sechs Monate wird kaum noch mit einer Erholung gerechnet, hier lag der Index ebenfalls auf dem tiefsten Niveau seit über 20 Jahren. "Weltweites Problem Nummer eins ist die mangelnde Nachfrage", sagte ifo-Experte Gernot Nerb.

Spanien und Italien besonders betroffen

Nicht nur die großen Wirtschaftsregionen Nordamerika, Westeuropa und Asien sind von der Abkühlung des Wirtschaftsklimas betroffen, auch in Mittel- und Osteuropa, Russland, Lateinamerika und Japan trübte sich die Stimmung ein. In Westeuropa verschlechterten sich die Lageeinschätzungen kräftig, besonders stark in Spanien, Italien, Belgien und Irland. Das Wirtschaftsklima liegt hier bei 51,2 Punkten und damit niedriger als in Nordamerika und Asien. Ein Hoffnungsschimmer sei allerdings in den USA auszumachen: Zwar schätzen die befragten Experten die gegenwärtige Lage schlechter ein als im Sommer. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich dagegen wieder verbessert. "Die USA sind hier Vorreiter", sagte Nerb.

Für eine Trendwende seien wohl Konjunkturprogramme nötig, welche die Geldpolitik unterstützten, sagte Nerb und berief sich dabei auf US-Notenbankchef Ben Bernanke. "Wenn die Wirtschaftspolitik Erfolge zeigt, müssten wir bald erkennen, dass die Erwartungen wieder steigen." Üblicherweise verbessere sich dann die Lage innerhalb von ein bis zwei Quartalen, fügte er an.

An der jüngsten Umfrage nahmen 1001 Experten aus 91 Ländern teil. Das ifo-Institut arbeitet für die Studie mit der Internationalen Handelskammer in Paris zusammen. (APA/Reuters/dpa-AFX)

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    Durch die deutliche Abkühlung wird die Wirtschaft keine großen Früchte abwerfen.

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