Mehr Geld für private Postfüchse

20. November 2008, 13:55
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Greißler als Postfüchse und Finanzberater: Die Post lagert ihre Dienste verstärkt aus und macht Partnern die Zusammenarbeit mit höheren Entgelten schmackhaft

Wien - Die österreichische Post versucht, kleinen Kaufleuten Servicestellen für Postdienstleistungen zu versüßen. Etliche Partner, von Lebensmittelhändlern über Trafikanten bis zu Apothekern, waren mit ihrer Rolle als Postfüchse bisher alles andere als glücklich: Denn die Provisionen der Post für das übernommene Service waren zum Teil schlicht nicht kostendeckend.

Ab 2009 soll alles besser werden, verspricht Post-Chef Anton Wais. Sein Konzern werde die EDV-Kosten in Höhe von 800 Euro jährlich je Partner übernehmen. Dazu komme eine Qualitätsprämie von rund 3000 Euro im Jahr. Und für die Vermittlung von Finanzdienstleistungen, etwa eines Kredits, soll es Prämien geben. Alles in allem würden die Konditionen damit um 40 Prozent aufgebessert. Die Post werde das eine Million Euro kosten.

Das letzte Mal im großen Stil ihre Ämter geschlossen hat die Post vor drei Jahren. Seither wurde 211 private Partner engagiert. In den kommenden sieben Jahren sollen es auf Kosten von 1000 Postfilialen und gegen den Widerstand der Gewerkschaft 940 Externe werden.

Wie viele defizitäre Ämter 2009 aufgelassen werden, darauf wollte sich Wais am Donnerstag vor Journalisten nicht festlegen, die Liste werde bis zur Aufsichtsratssitzung am elften Dezember stehen. Die betroffenen Filialen sollen 1:1 durch private Partner ersetzt werden, versichert Postvorstand Herbert Götz. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es keine. Wer seinen Job verliert, werde an anderen Standorten untergebracht. Intern sind bisher 300 Ämter als unrentabel identifiziert.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl sieht an neuen Interessenten für die Postdienste keinen Mangel. Für jedes geschlossene Amt stünden zehn potenzielle Partner Gewehr bei Fuß, ist er sich sicher. Zudem hätten Kundenumfragen gezeigt, dass acht von zehn mit der Leistung der Privaten zufrieden seien. Es sei also eine Win-win-Situation und kein Rauswursteln, meint Leitl. Dass das Konzept funktioniere, zeigten internationale Erfahrungen: In Deutschland et-wa würden 90 Prozent der Postgeschäfte über Private abgewickelt.

Absage an Handelsketten

Die Post will sich anders als ihre deutschen Kollegen keine großen Handelsketten als neue Postfüchse holen, sondern bei kleinen Betriebenbleiben. Rewe etwa könne gerne den einen oder anderen Standort übernehmen, so Wais. Eine Generallösung mit einzelnen Konzernen werde es aber nicht geben.

Nah & Frisch bemüht sich jedenfalls um weitere Postdienste, bestätigt Geschäftsführer Christof Kastner dem Standard. Die Gruppe ist mit mehr als 80 Poststellen zweitgrößter privater Postler in Österreich. Nah & Frisch habe seit Jahren für bessere finanzielle Bedingungen für die Partner gekämpft, sagt Kastner. Die Post erspare sich viel durch sie, also sei es auch angemessen, dass sie für die Kaufleute tiefer in die Tasche greife. Was die erhoffte zusätzliche Frequenz betrifft, seien die Erfahrungen der Betriebe zweigeteilt. Die einen verzeichneten mehr, die anderen unverändert viele Kunden.

Wais verspricht Städten und Gemeinden, alle ökonomischen Entscheidungsgrundlagen, auf deren Basis die einzelnen Postämter geschlossen oder ausgelagert werden sollen, offenzulegen. Und er rechnet damit, auch den einen oder anderen Jungunternehmer oder früheren Postler für eine Übernahme zu gewinnen. Die Streikdrohung der Gewerkschaft ist aufrecht. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2008)

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    300 Postämter gelten als unrentabel. Private sollen es besser machen, die Post wirbt daher um neue Partner.

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